CO2-Zertifikate für tote Kamele

Australien will den Emissionshandel mit der Waffe

Down under macht Ernst mit dem Zertifikatehandel, solange es noch geht (denn ein Nachfolger für das Kyoto-Protikoll, das Ende 2012 ausläuft, ist nicht in Sicht). Das Land will CO2-Zertifikate für getötete Kamele ausgeben.

In Australien leben mehr als 1,2 Mio. wilde Kamele. Sie gelten als Klimasünder, weil jedes von ihnen im Schnitt jährlich 45kg Methan/Jahr ausrülpst. Methan ist 21 Mal klimawirksamer als CO2. Rein rechnerisch sind die australischen Kamele bei vollständiger Ausrottung somit für 1,13 Mio. Zertifikate a 1 Tonne CO2 gut.

Der Preis je Zertifikat liegt an der EEX in Leipzig zur Zeit bei rund 16 Euro. Eine erkleckliche Nebeneinnahme, zumal die Kamele ohnehin dezimiert werden und das Fleisch in den Handel gehen soll. Rein rechnerisch sollen die so "vermiedenen" Emissionen 200.000 Autos kompensieren. Die Vorlage soll nächste Woche im australischen Parlament beschlossen werden. Käufer der Klima-Abschussprämie sollen dann Firmen sein, die die ihnen auferlegten Emissionsreduktionen nicht erfüllen wollen/können.

Denn die australische Exportpolitik und Energieversorgung bleiben kohlelastig. Pro Kopf liegen die CO2-äquivalenten Emissionen bei 18 Tonnen (Deutschland 10 t), 80% des Stroms stammen in Australien aus Kohlekraftwerken und zusätzlich gehen jährlich 260 Mio. Tonnen Steinkohle in den Export. Ein steigender Anteil davon zukünftig wohl auch nach Deutschland. Denn erstens wurde hierzulande das Ende der Steinkohleförderung ab 2018 beschlossen und die Regierung gedenkt nach dem beschleunigten Atomausstieg verstärkt auf die "Kaltreserve" und den Zubau von Kohlekraftwerken zu setzen, bis Ende 2012 sollen davon 8 GW Leistung neu zur Verfügung stehen.

Während in Australien so das Kamel als Klimasünder herhalten soll, wurde vorsorglich klargestellt, dass die Landwirtschaft im Land von CO2-Abgaben freigestellt werden soll. Dabei produziert allein eine Kuh 80 kg Methan/Jahr. Doch Premierministerin Julia Gillard hatte eine Einbeziehung der Landwirtschaft in den geplanten Emissionshandel als "zu komplex" abgelehnt - dann doch lieber der Griff zur Waffe.

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