CSU-Politiker fordert Pornofilter und Altersnachweis

Norbert Geis möchte züchtiges Internet

Der christsoziale Unionist Norbert Geis, bekannt für seine erzkatholische Haltung, sorgt sich mal wieder fürsorglich um das Wohlergehen des deutschen Nachwuchses. Nachdem er bereits vor zwei Jahrzehnten der ebenfalls katholischen Bardin Madonna ihre damalige Girlie-Tournee verbieten lassen wollte, hat ihm nun offenbar jemand von der Existenz eines elektronischen Kommunikationsnetzes namens „Internet“ berichtet, welches die Jugend verderbe. So ließ Geis die unabhängige und überparteiliche BILD-Zeitung wissen, man brauche zum besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen vor der Pornografie im Internet „jetzt dringend spezielle Filter und verbindliche Altersbeschränkungen“. Der in Kreisen konservativer Küchenpsychologen verbreiteten These, Pornographie schade der Entwicklung von Unmündigen, pflichtet die BILDZeitung bei: „Experten warnen seit Langem vor den fatalen Folgen des wachsenden Pornokonsums bei Kindern und Jugendlichen.“

Woher das Blatt seiner „Expertise“ bezieht, ist unklar. Nach der Studie des Sexualwissenschaftlers Prof. Dr. Kurt Starke "Pornografie und Jugend - Jugend und Pornografie" von 2010 scheint es für die Annahme einer Verlotterung der Sitten keine Belege zu geben. Beeinflusst wurde allerdings das Sexualleben klerikaler Sittenstrolche, die es dank Aufklärung und Sozialkontrolle im Internet heutzutage nicht mehr ganz so einfach haben dürften, Ministranten ins Schoßgebet zu nehmen. Ob Norbert Geis auch den Zugang zu destruktiven Religionsgemeinschaften filtern will, die körper- und frauenfeindliche Werte predigen, oder Inhalte, die Militarismus verherrlichen, ist nicht bekannt.

Falls eine Filtertechnologie eingeführt wird, dürfte es kaum beim Filtern erschröcklicher Kopulationsdokumentation bleiben, denn noch immer lauern im Internet Glücksspiel, Bombenbauanleitungen, linkes und rechtes geistiges Gift und natürlich geistige Raubmordkopien. Nach den letztes Jahr bekräftigten Vorstellungen von CDU/CSU weist die US-amerikanische Gesetzgebung mit PIPA und SOPA in die richtige Richtung. Konsequent wäre es, auch das deutsche Bahnnetz endlich zu filtern, damit Reisende keine rechtswidrigen Inhalte in unsere zivilisierten Städte transportieren. Das Abklemmen ganzer Bahnhöfe wird aktuell in Mainz schon ausprobiert. Auch die Post wird dann wohl bald eine "Tiefe Paket Inspektion" leisten müssen. Sollte sich jedoch Geis Parteifreund Scharnagl mit seinen Plänen durchsetzen, Bayern abzuspalten, könnte die Aufgabe vom Zoll übernommen werden.

Leidtragender einer Filtertechnologie dürfte auch Axel Springer sein, dessen BILD-Online-Angebot wegen freizügiger anatomischen Studien auf diversen US-Rechnern gesperrt wurde. Auch die Illustration von Springers WELT, mit der diese ihre Leser für Geis Forderung entschädigt, dürfte dann gefiltert werden.

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