China: Eisenbahnen für Afrika

Neue Eisenbahn in Kenia eingeweiht. Verlängerung nach Uganda bereits in Bau. Diverse afrikanische Länder planen oft mit chinesischer Hilfe neue Strecken

In Kenia wurde am Mittwoch eine neue Bahnstrecke von Mombasa am Indischen Ozean zur im Landesinneren gelegenen Hauptstadt Nairobi feierlich eröffnet, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Diverse Staatsgäste aus China nahmen an der Einweihung teil.

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Die 472 Kilometer lange Strecke erleichtert künftig den Frachtverkehr und verkürzt die Reisezeit erheblich. Sie ersetzt eine über 100 Jahre alte, noch aus der Kolonialzeit stammende Eisenbahnstrecke, die längst nicht mehr den Anforderungen gerecht wurde. Personenzüge haben zuletzt 24 Stunden benötigt, um die Strecke zurück zu legen. Das Frachtaufkommen ging trotz wachsender Wirtschaftsaktivitäten immer weiter zurück.

Die neue Trasse wurde von der China Road and Bridge Corporation gebaut und wird in den ersten fünf Jahren von deren Muttergesellschaft China Communication Construction Company betrieben, schreibt die kenianischen Zeitung The Daily Nation. Die Regierung erhoffe sich eine deutliche Verringerung der Frachtkosten. Die Loks würden zunächst mit Diesel betrieben, aber eine spätere Elektrifizierung der Strecke sei möglich.

Die neue Bahn ist Teil eines größeren Plans für Ostafrika, der von den dortigen Regierungen mit massiver Unterstützung aus China vorangetrieben werden. Der Weiterbau der Strecke bis zur ugandischen Grenze – Uganda ist ein an Kenia grenzender Binnenstaat ohne eigenen Zugang zum Meer – wurde bereits begonnen und soll bis 2021 abgeschlossen sein. Zunächst sollen Kenia, Uganda und Tansania besser miteinander verbunden werden. Später ist auch an Verlängerungen nach Burundi und Rwanda gedacht, zwei andere Binnenstaaten.

Langfristig ist auch eine Verbindung durch den Südsudan nach Äthiopien möglich. Dort war erst im Herbst letzten Jahres, wie seinerzeit berichtet, eine neue Eisenbahnlinie zwischen der Hauptstadt Addis Abeba und dem Hafen Dschibuti im gleichnamigen Nachbarland eingeweiht worden.

Die dortige Bahn war ebenfalls mit chinesischer Technik und chinesischen Krediten entstanden. In Äthiopien wird ebenfalls bereits an eine Verlängerung gebaut. Der nächste Streckenabschnitt soll den Westen des Landes erschließen und wird bis dicht an die Grenze zum Südsudan führen.

Auch in Angola und Tansania werden fleißig von chinesischen Firmen alte Eisenbahnen erneuert und auf einen einheitlichen Standard gebracht. Das Ziel ist es, die beiden Netze durch Sambia und den Kongo zu verbinden und so vor allem deren Kupferexporteuren den Transport zu erleichtern.

Aber das ist alles erst der Anfang. Andere aktuelle chinesische Eisenbahnprojekte sind zum Beispiel in Nigeria und dem Sudan in der Entwicklung. Die britische Zeitung Guardian berichtet, dass alle zur Zeit in Afrika – oft mit chinesischer Beteiligung – geplanten neuen Linien ausreichen würden, Kapstadt mit Kopenhagen zu verbinden.

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Senegal hat zum Beispiel bereits Verträge mit einer chinesischen Firma unterschrieben, während das Westafrikanische Netzwerk, das die Elfenbeinküste mit Burkina Faso, Benin und Niger verbinden soll, von der französischen Firma Bolloré geplant wird.

Die neuen Verkehrsverbindungen könnten helfen, den innerafrikanischen Handel zu stärken. Insgesamt erfolgt auf dem Kontinent nur 13 Prozent des grenzüberschreitenden Warenaustauschs untereinander, während das Gros der Exporte nach Europa, den USA und China erfolgt, wie auch die Importe meist von dort kommen.

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