China: Eskalation im Handelskrieg mit den USA

Die USA belegen nunmehr knapp die Hälfte der Einfuhren aus China mit neuen Zöllen

Die US-Regierung hat am Dienstag letzter Woche eine Liste mit neuen Zöllen auf chinesische Waren veröffentlicht. Nach einem Bericht des Senders CNN sollen zahlreiche Warengruppen mit einem zehn Prozent Zoll belegt werden. Betroffen sind vor allem Nahrungsmittel und Konsumgüter. Insgesamt hätte die jährlichen Einfuhren dieser Waren zuletzt einen Wert von 200 Milliarden US-Dollar (171 Milliarden Euro) gehabt.

China hatte zuvor neue Zölle auf Einfuhren aus den USA eingeführt - als Antwort auf in einer ersten Runde vom US-Präsidenten dekretierte Abgaben auf chinesische Stahl- und Aluminiumausfuhren in die USA. Beijing hat derweil bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt, und Washington scheint sich auf diese wiederum bereits vorzubereiten, wie CNN auf seiner Internetseite schreibt.

Der Warenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und China betrug laut US-Statistiken 2017 rund 635 Milliarden US-Dollar (543 Milliarden Euro), wobei die Volksrepublik einen Handelsbilanzüberschuss von knapp 376 Milliarden US-Dollar (322 Milliarden Euro) verbuchen konnte.

Das sind allerdings nur die Werte für den Austausch von Gütern. Hinzu kamen 2017 nach einem für das US-Parlament erstellten Bericht ein Austausch von Dienstleistungen im Wert von 75 Milliarden US-Dollar, wobei hier die US-Ausfuhren nach China 40,2 Milliarden US-Dollar überwiegen. Das Handelsbilanzdefizit mit China schrumpft dadurch auf rund 336 Milliarden US-Dollar (288 Milliarden Euro).

Derweil schaut sich China nach anderen Handelspartnern um. Zum ersten Juli haben Indien und die Volksrepublik die Zölle auf mehrere tausend Warengruppen abgesenkt, berichtet die indische Zeitung Business Standard. Beide Seiten strebten an, den Warenaustausch weiter zu liberalisieren und sich damit auch gegen die US-Zölle zu schützen. Von der gleichen Motivation spricht auch das US-Magazin Forbes.

Trotz erheblicher Spannungen war im letzten Jahr der Warenaustausch zwischen den beiden asiatischen Giganten auf einen neuen Rekord von 84,44 Milliarden US-Dollar (72,26 Milliarden Euro) geklettert.

Das war nach mehreren Jahren der Stagnation ein Anstieg um 18,63 Prozent, aber für China machte auch 2017 der Austausch mit Indien lediglich zwei Prozent seines Außenhandels aus (verglichen mit einem US-Anteil von 14,8 Prozent), wie die von China Daily veröffentlichten Statistiken zeigen.

Auch im Austausch mit Indien hat China einen erheblichen Überschuss, der südlich des Himalayas gelegentlich für schlechte Stimmung sorgt. Allerdings sind im letzten Jahr die indischen Ausfuhren nach China mit rund 40 Prozent überproportional gewachsen, sodass sich der Abstand verringerte.

Chinas Exporte waren im vergangenen Jahr übrigens immerhin um etwas über zehn Prozent, jedoch die Importe um 18,7 Prozent gestiegen. Der Handelsbilanzüberschuss habe sich wie im Vorjahr verkleinert, betrug aber immer noch 2,87 Billionen Yuan (367 Milliarden Euro), heißt es bei China Daily.

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