China: "Geordneter Ausstieg" aus dem Bitcoin

Bild: CC0

Kryptowährung erfordert inzwischen einen gewaltigen Rechenaufwand. Entsprechend beginnt der Strombedarf exorbitant zu werden

China will einen geordneten Ausstieg aus dem sogenannten Bitcoin-Mining. Das berichteten Anfang der Woche verschiedene Medien. Offenbar wurde eine interministerielle Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit der Eindämmung der Kryptowährung befasst.

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Diese hat die Provinzbehörden angewiesen, die mit Bitcoins befassten Unternehmen "aktiv aus den Aktivitäten hinaus zu geleiten" ("actively guide"). Auf Twitter findet sich offenbar das Original der entsprechenden Anweisung auf Chinesisch.

Den Behörden ist die digitale, von keiner Zentralbank kontrollierbare Währung schon seit längerem ein Dorn im Auge. Mancher Beobachter sinniert bereits über potenzielle Folgen der Bitcoin-Spekulation für die Realwirtschaft.

Nun soll in der Volksrepublik daher offenbar der "geordnete Ausstieg" durchgesetzt werden, das heißt, man möchte offenbar nach Möglichkeit Turbulenzen und ein Übergreifen auf die Finanzmärkte verhindern.

Und es gibt noch einen ganz handfesten Grund, der Hysterie Einhalt zu gebieten: der Energiebedarf. Bitcoins werden von Computern errechnet, und diese Berechnungen, so sieht es die Bitcoin-Software vor, werden mit der Zeit immer komplizierter. Vor einigen Jahren reichte noch ein Laptop, um ein paar Bitcoins zu erzeugen, heißt es in einer Beschreibung der Plattform Extremetech.

Inzwischen sind aber beachtliche Rechnerleistungen notwendig, und entsprechend steigt der Stromverbrauch immer mehr. Im vergangenen Jahr soll die Erzeugung neuer Bitcoins 20,5 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht haben. Das entspricht dem bundesweiten Strombedarf für etwas mehr als zwei Winterwochen.

Inzwischen schätzt der Bitcoin Energy Consumption Index den Bitcoin-Jahresverbrauch bereits auf 39,44 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht schon fast dem Jahresverbrauch der 7,4-Millionen-Einwohner-Stadt Hongkong. Die aktuellen, aufs Jahr hochgerechneten Energiekosten betragen demnach knapp zwei Milliarden US-Dollar.

Der enorme Energiebedarf besteht allerdings nicht nur für die Erzeugung neuer Bitcoins, sondern auch für die aufwendigen Transaktionen, mit denen bezahlt wird und diese Zahlungen verifiziert werden. Zur Zeit verbraucht eine einzige Transaktion 332 Kilowattstunden. Das entspricht fast einem Zehntel des Jahresverbrauchs eines deutschen Durchschnittshaushalt oder Stromkosten von rund 90 Euro.

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Im vergangenen Jahr soll etwas mehr als die Hälfte der neuen Bitcoins in China errechnet worden sein. Dort haben sich findige Menschen offensichtlich darauf spezialisiert, vor allem in Provinzen mit niedrigen Strompreisen Computer aufzustellen und neue Bitcoins zu errechnen.

Dazu gehören, wegen des großen Angebots an Windenergie, die Innere Mongolei im Norden und Xinjiang im Westen des Landes. Yunnan im Süden an der Grenze zu Laos hat hingegen viel Sonne und vor allem Wasserkraft.

Offenbar sind einige auch auf die in China nicht ganz legale Idee gekommen, den Strom direkt beim Kraftwerksbesitzer und nicht bei der Netzgesellschaft einzukaufen. Das mag in der Volksrepublik besonders attraktiv sein, da die Kohlekraftwerke mit etwa 50 Prozent chronisch schlecht ausgelastet sind und daher die Betreiber Interesse an Zusatzgeschäften unter der Hand haben müssen.

Südkoreas Justizminister überlegt den Börsenhandel mit Bitcoins zu verbieten, berichtet Der Spiegel. Laut Bloomberg ist das Land bisher der aktivste Handelsplatz für die Kryptowährung. Präsident Moon Jae-in habe zwischenzeitlich die Äußerungen des Ministers herunter gespielt. In Südkorea ist man offensichtlich besorgt, dass der Hype um den steigenden Kurs der Cyberwährung die Jugend gefährde.

Tatsächlich hat es in der Geschichte mehrere Beispiele gegeben, bei denen eine Börsen-Hysterie zu einem erheblichen Rückgang realwirtschaftlicher Aktivitäten führte, weil mehr und mehr Menschen auf das schnelle Geld durch steigende Kurse hofften. Das vermutliche früheste und in vielen Lehrbüchern beschriebene Ereignis war die niederländische Tulpenmanie in den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts.

Im übrigen berichtet Bloomberg, dass einerseits der Bitcoin-Kurs nach den Äußerungen aus Südkorea und kritischen Anmerkung des US-amerikanischen Milliardärs Warren Buffet um 12 Prozent eingebrochen sei. Andererseits aber das große Interesse an der digitalen Währung anhalte.

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