China: Heizen mit Windstrom

Die Volksrepublik baut im rasanten Tempo Wind- und Solarenergie aus, kämpft aber noch immer mit der Netzintegration, wenn auch mit wachsendem Erfolg

China hat im vergangenen Jahr, wie berichtet, gut 19 Gigawatt (GW) an neuer Windkraftleistung installiert. Damit lassen sich, wenn die Anlagen stets einspeisen können, 38 Milliarden Kilowattstunden ins Netz einspeisen. Voraussetzung dafür sind Windbedingungen, die 2000 Volllaststunden im Jahr erlauben, mit denen hierzulande meist kalkuliert wird. (Eine Volllaststunde ist eine Stunde, in der die Anlage mit maximaler Leistung einspeist. Wenn sie zehn Stunden mit halber Leistung arbeitet, dann entspricht dies fünf Volllaststunden.)

Doch mit der Auslastung hapert es in der Volksrepublik nach wie vor. Windkraft- und Solaranlagen können in China nicht immer im vollen Umfang einspeisen, da es Engpässe im Übertragungsnetz gibt und dieses zudem unflexibel gemanagt wird. Noch.

Wie berichtet, arbeiten die Behörden daran, die Probleme aus der Welt zu schaffen. Noch scheint es aber garantierte Laufzeiten für Kohlekraftwerke zu geben, was erheblich zur Inflexibilität beiträgt. Immerhin ging nach chinesischen Angaben der Anteil nicht eingespeisten Windstroms von 17,1 Prozent in 2016 auf 12,1 Prozent im vergangenen Jahr zurück.

Die zuletzt verlinkte Quelle spricht übrigens von lediglich 15,03 GW Windleistung, die 2017 neu ans Netz gegangen sei. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass rund vier GW noch auf ihren Netzanschluss warten. Ansonsten scheint aber die Auslastung tatsächlich inzwischen in etwa so gut wie hierzulande zu sein.

Nach Angaben der chinesischen Behörden waren Ende 2017 163,67 GW Windleistung am Netz. Damit haben, wie es in einer anderen Übersicht heißt, Windkraftanlagen 2017 305,7 Milliarden Kilowattstunden (plus 26,3 Prozent) erzeugt. Daraus ergeben sich, wenn man berücksichtigt, dass die aller meisten Neuanlagen nicht das ganze Jahr produziert haben können, eine durchschnittliche Auslastung von rund 2000 Volllaststunden.

Ähnlich sieht es bei der Solarenergie aus. 7,3 Milliarden Kilowattstunden Sonnenstrom konnten nach Angaben der Statistiker 2017 nicht eingespeist werden. Die Abregelungsrate sei um 4,3 Prozentpunkte gefallen. Ende 2017 waren 130,25 GW Solarleistung installiert, wovon allerdings im Laufe des Jahres gigantische 53 GW neu hinzu gekommen waren. Diese Anlagen haben 118,2 Milliarden Kilowattstunden (plus 78,6 Prozent) erzeugt.

Berücksichtigt man wieder, dass nicht alle Anlagen das ganze Jahr arbeiten konnten, dann kommt man auf etwas mehr als 1000 Volllaststunden. Das ist mehr als in Deutschland üblich, was zum einen an den südlicheren Breitengraden liegt, in denen die Anlagen stehen, zum anderen daran, dass viele in trockenen Wüsten- und Steppenregionen im Landesinneren mit weniger Bewölkung errichtet wurden.

Dennoch hat die Regierung weitere Maßnahmen beschlossen, um langfristig sicher zu stellen, dass der Strom der Windkraft- und Solaranlagen vollständig genutzt werden kann. In einigen Provinzen und autonomen Regionen, in denen die Raten immer noch besonders hoch liegen, soll 2018 der weitere Ausbau gebremst werden. Betroffen könnten davon unter anderem die Autonome Provinz Xinjiang im äußersten Westen des Landes sowie Jilin und Heilongjiang im Nordosten sein.

Dort soll außerdem vermehrt Windstrom in Blockheizkraftwerken eingesetzt werden, um den Kohleverbrauch zu senken und anderweitig nicht nutzbare elektrische Energie zu verwenden. Die Idee wurde aus Dänemark übernommen, wo ähnliche Projekte seit dem letzten Jahrzehnt entwickelt werden. In Fern- und Nahwärmenetzen wird dort in windreichen Zeiten, wie zum Beispiel zuletzt Ende Januar, verstärkt das Heizwasser mit Strom erwärmt. So wird dessen Überangebot abgebaut und zugleich Brennstoff eingespart.

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