China: Kohleverbrauch soll gedrosselt werden

Regierung legt detaillierten Plan zur Bekämpfung der gefährlichen Luftverschmutzung vor

Die chinesische Regierung hat am Donnerstag (Ortszeit) einen umfassenden Plan zur Verbesserung der in manchen Städten zeitweise lebensgefährlich schlechten Luftqualität bekannt gegeben, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Demnach soll unter anderem der Anteil der Kohle trotzt weiter steigenden Energiebedarfs gesenkt werden. Bis 2017 soll ihr Anteil am Primärenergieverbrauch von derzeit 66,8 auf unter 65 Prozent gedrückt werden, was im Einklang mit dem laufenden Fünf-Jahres-Plan ist und dessen Fortschreibung entspricht.

Dafür soll künftig Prozesswärme in der chemischen und einigen anderen Industrien mit Kraftwärmekoppelung statt wie bisher mit einfachen Kohlebrennern erzeugt werden. Außerdem soll verstärkt Erdgas und mehr Atomkraft eingesetzt werden. Bis 2017 sollen AKWs mit einer Kapazität von 50 Gigawatt (GW) laufen. Derzeit sind es 12,5 GW, die knapp zwei Prozent der Bruttostromerzeugung liefern. Hält das derzeitige jährliche Wachstum des Stromverbrauchs von gut fünf Prozent an, so würden AKW 2017 rund sechs Prozent der Erzeugung stellen können. Der Anteil bleibt also trotzt des weltweit ehrgeizigsten Ausbauprogramms auf absehbare Zeit eher beschränkt.

Der Xinhua-Bericht lässt unterdessen den raschen Ausbau der Solar- und der Windenergienutzung unerwähnt. Letztere lieferte 2012 bereits 100 Milliarden Kilowattstunden, was erstmals leicht über dem Beitrag der Atomkraft (98 Milliarden KWh) lag. Windenergie wurde in den letzten Jahren mit rund 18 GW per annum ausgebaut, ein Tempo was sicherlich noch auf absehbare Zeit beibehalten werden wird. Allerdings gibt es noch immer erhebliche Probleme mit der Netzintegration der Anlagen, sodass die über den Bestand gemittelte Ausbeute bisher deutlich hinter dem Möglichen zurück bleibt.

Der Anteil der Kohle an der Stromproduktion hat trotz weiter hoher Zubauraten von 50 GW per annum im letzten Jahr erstmals annähernd stagniert. Das dürfte vor allem die Stilllegung veralteter und besonders ineffizienter Kraftwerke gesorgt haben. Laut dem Xinhua-Bericht sollen Kohlekraftwerke verstärkt mit Abgasfiltern und Entschwefelungsanlagen ausgerüstet werden. In einigen Industrieregionen soll außerdem der Bau neuer Kohlekraftwerke verboten werden.

Wie es aussieht will die Regierung in Beijing (Peking) bei der Gelegenheit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, in dem auch industrielle Überkapazitäten stillgelegt werden. So sollen in der Aluminium, der Eisen- und Stahlindustrie sowie der Zement- und Glasherstellung verstärkt veraltete Anlagen stillgelegt werden.

Insbesondere für den Stahlsektor könnte sich das als Segen erweisen. Nach einem Bericht auf der Webseite des chinesischen Fernsehsenders CNTV leidet dieser unter erheblichen Überkapazitäten. Die meisten Anlagen sind nicht ausreichend ausgelastet und der harte Konkurrenzkampf aufgrund des Überangebots hat zum Verfall der Profite geführt.

Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt in ihrer Darstellung der Beijinger-Pläne davon, dass auch der Bau neuer Fertigungsanlagen in diesen Sektoren eingestellt werden soll. Demnach scheint es vor allem in der Aluminiumindustrie gängige Praxis, mit dem Bau zu beginnen, bevor alle Genehmigungen vorliegen. Bisher konnte offensichtlich damit gerechnet werden, dass die Behörden für einmal fertiggestellte Anlagen nachträglich grünes Licht geben. Nun heißt es jedoch, dass der Bau auf allen nicht genehmigten Baustellen eingestellt werden soll.

Derweil haben die lokalen Behörden in Beijing auch für die Hauptstadt einen Plan zur Bekämpfung der Luftverschmutzung beschlossen. Demnach soll die Zulassung neuer Kraftfahrzeuge derart beschränkt werden, dass ihre Zahl 2017 sechs Millionen nicht übersteigt. Derzeit sind es 5,35 Millionen. Verbrauchstandards sollen verbessert werden, sodass der Flottenverbrauch in fünf Jahren um fünf Prozent unter dem heutigen Niveau liegt. Außerdem werden rund 1200 Industriebetriebe vor die Alternative gestellt, mehr für die Säuberung ihrer Abgase zu tun oder die Produktion einzustellen. Bis 2016 haben sie dafür Zeit.

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