China: Steigende Löhne

Straßenarbeiter in Lintong, Xi'an, China, 2012. Foto: © CEphoto, Uwe Aranas / CC BY-SA 3.0

In der Volksrepublik wachsen die Einkommen und erzeugen vermehrten Druck in Richtung Automatisierung

Shanghai hat zum 1. April erneut seinen Mindestlohn angehoben. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach müssen einem Arbeiter in der chinesischen Megametropole monatlich mindestens 2.190 Yuan (298 Euro) für die reguläre Arbeitszeit bezahlt werden.

Diese beträgt acht Stunden am Tag und 40 Stunden in der Woche. Die monatlichen Überstunden sind auf 36 begrenzt und müssen zusätzlich entlohnt werden. In der Regel soll es nach dem Arbeitsgesetz zwei Ruhetage pro Woche geben, obligatorisch ist einer. (Dass diese Rechte oft verletzt werden und schwer einzuklagen sind, steht auf einem anderen Blatt.)

Pro Stunde beträgt der Mindestlohn in Shanghai 19 Yuan (2,59 Euro). Da der Yuan gegenüber dem Euro deutlich unterbewertet ist, entspricht die inländische Kaufkraft von 19 Yuan in China etwa der von 3,45 Euro in Deutschland. In China wird der Mindestlohn auf der Ebene von Städten und Provinzen festgelegt. (Hier eine Übersicht.) Nur in Tianjin liegt der Mindestverdienst mit 19,50 Yuan pro Stunde geringfügig höher. Das Schlusslicht bilden einige besonders unterentwickelte ländliche Regionen, wo das Minimum bei lediglich 9,50 Yuan pro Stunde liegt.

Hierzulande muss seit dem 1. Januar 2017 mindestens 8,84 Euro pro Stunde gezahlt werden, wobei es eine Reihe von Ausnahmen gibt. Bei einer 40-Stunden-Woche kommt man damit auf einen Monatslohn von etwas mehr als 1.400 Euro. Eine andere Richtung versuchen derweil die Republikaner im US-Bundesstaat Iowa einzuschlagen, wie Iowa State Daily berichtet.

Demnach steht dort ein Gesetz vor der Verabschiedung, das den Mindestlohn künftig auf 7,25 US-Dollar (6,80 Euro) beschränken soll. Verschiedene Counties in Iowa haben bereits Erhöhungen auf 8,25 oder gar 10,12 US-Dollar (7,75 oder 9,62 Euro) beschlossen und müssten die Erhöhungen wieder zurücknehmen.

Das Lohngefälle zwischen China und den weiter entwickelten Industriestaaten wird flacher.

Mit anderen Worten, es läuft auf langfristige Angleichung hinaus. Während in den USA die politische Rechte den Mindestlohn drücken will, steigt er in Chinas produktivsten Zentren weiter. Das Lohngefälle zwischen China und den weiter entwickelten Industriestaaten wird flacher.

Am deutlichsten wird das im Verhältnis zum Nachbarn Südkorea, ein Land, das es in den 1980er und 1990er Jahren in den Kreis der Industrienationen geschafft hat. Der chinesische Mindestlohn in den fortgeschrittensten Regionen betrage bereits 59,2 Prozent des südkoreanischen, berichtete im vergangenen Mai BusinessKorea. Rechne man die besseren Sozialleistungen ein, so habe das chinesische Minimum im letzten Jahr in den großen Zentren Beijing, Shanghai, Tianjin, Guangdong und Shenzhen bereits 70 Prozent des südkoreanischen erreicht.

Allerdings hat sich in diesem Jahr der weitere Zuwachs für chinesische Verhältnisse verlangsamt, wie Bloomberg betont. "Nur" um 8,4 Prozent. In anderen Regionen des Landes stagniere der Mindestlohn sogar seit längerem. Dennoch habe die Regierung kürzlich gewarnt, dass die Löhne in den letzten Jahren stärker als die Produktivität gewachsen seien. Entsprechend ist die große Einkommensungleichheit seit der Finanzkrise 2009 etwas zurückgegangen.

Derweil tragen die wachsenden Löhne wie einst auch hierzulande zur Entwicklung des Landes bei. Durch sie wächst der Druck zur Automatisierung und zur weiteren Steigerung der Produktivität. China ist daher im letzten Jahr zum weltgrößten Markt für Industrieroboter geworden.