China: Truppen am Horn von Afrika

Deutsches Kriegsschiff "Bussard" im Hafen von Dschibuti (2002).

(Bild: Foto: US-Navy / gemeinfrei)

Im kleinen Dschibuti werden große Träume verfolgt, doch vorerst tummeln sich vor allem Truppen an der strategisch günstig gelegenen Küste

Während sich Bundeswehrministerin Ursula von der Leyen freut, künftig mit dem neuen militärischen Arm der EU noch mehr Soldaten an der französischen Seite nach Afrika schicken zu können – wo doch beide Nationen sich dort schon so oft Freunde gemacht haben –, ist man auch in China bemüht, seinen Einfluss auf dem an Ressourcen reichen, aber unterentwickelten Kontinent auszubauen.

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Das machte dieser Tage einmal mehr der dreitägige Besuch des Präsidenten von Dschibuti, Ismail Omar Guelleh, in Beijing (Peking) deutlich, über den unter anderem die in Hongkong erscheinende South China Morning Post berichtet.

Dschibuti ist ein kleines Land, aber am Horn von Afrika am Eingang zum Roten Meer strategisch ausgesprochen günstig gelegen. Der perfekte Ort, um die von dort durch den Suez-Kanal und ins Mittelmeer führenden Schifffahrtsrouten zu kontrollieren, die Europa und Asien miteinander verbinden.

China hat in Dschibuti inzwischen seinen ersten ausländischen Militärstützpunkt eingerichtet und damit eindringlich dokumentiert, dass es in Zukunft gedenkt, kein passiver Zuschauer mehr zu sein. Die alleinige Kontrolle über den Wasserweg hat es damit natürlich nicht und wird diese sicherlich auch kaum anstreben.

Vielmehr geht es wohl darum, eine Duftmarke zu setzen, im Konzert der Großmächte mitzuspielen und auch militärische Erfahrung zu sammeln. China beteiligt sich in der Region unter anderem im Kampf gegen die Piraterie.

Derweil lässt die Volksrepublik aber vor allem das Scheckbuch wirken. Dschibutis autoritär regierender Präsident träumt davon, es Dubai gleich zu tun und sein Land zu einer wichtigen internationalen Drehscheibe zu machen.

Chinesische Kredite und Firmen sind dabei, die Grundlagen dafür zu legen: Mit einer Wasserpipeline aus Äthiopien, einem neuen internationalen Flughafen, einer neuen Freihandelszone und einer neuen, 750 Kilometer langen und voll elektrifizierten Eisenbahn zur äthiopischen Hauptstadt Adis Abeba. Bauzeit: vier Jahre.

Allein die Nachbarschaft zum schnell wachsenden Äthiopien, das über keine eigenen Häfen verfügt und auch kaum eine Alternative zu Dschibuti hat, macht dessen Hafen zum Kandidaten für einen wichtigen internationalen Umschlagplatz.

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Mancher träumt dort sogar schon davon, aus dem 850.000-Einwohner-Staat das Singapur Ostafrikas machen zu können. Das scheint Zukunftsmusik, aber Konkurrenz ist bestenfalls der überlastete Hafen von Mombasa in Kenia, Nachbar Äthiopien boomt seit Jahren und chinesische Unternehmen arbeiten daran, die Eisenbahn über dessen Grenzen hinaus voran zu treiben.

Bisher tummelt sich aber vor allem Militär. Mit dem neuen chinesischen Stützpunkt entwickelt sich Dschibuti zu einer Art Campingplatz für Truppen aus aller Welt. Unweit der Chinesen haben sich schon 2011 die japanischen "Selbstverteidigungskräfte" eingerichtet und wollen sich nun vergrößern – um dem chinesischen Einfluss etwas entgegen zu setzen, wie es heißt. Die USA ist sowieso da, und Frankreich hat die militärische Präsenz in einer seiner letzten Kolonien nie recht aufgegeben.

Überhaupt ist der indische Ozean eine Region, in der Frankreich noch ein bisschen Weltmacht spielen kann, und vielleicht träumen von der Leyen und ihr Militär ja davon, daran irgendwann über den Aufbau einer EU-Armee, die vorerst nicht so genannt werden darf, teilzuhaben. Die Franzosen verfügen über Stützpunkte auf La Réunion und Mayotte (beides Übersee-Departements und damit Bestandteil der EU) und kontrollieren zudem zahlreiche unbewohnte Inselgruppen vor Afrika und im Süden des indischen Ozeans.

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