China: Wirtschaft brummt immer stärker

(Bild: Boomtown Shenzhen. Foto: Hawyih / gemeinfrei)

Der ökonomische Aufstieg des ostasiatischen Giganten scheint kein Halten zu kennen. Seine Industrie zeigt wieder stärkere Wachstumsraten

Irgendwie fällt in China die so oft vorhergesagte große Krise mal wieder aus. Seine Wirtschaft zeigt sich selbst von den an seiner Nordost-Grenze zunehmenden Spannungen bisher völlig unbeeindruckt. Im ersten Quartal 2017 wuchs sie um 6,9 Prozent, womit erneut die Planvorgabe übererfüllt wurde. Für das ganze Jahr visiert die makroökonomische Lenkung der politischen Führung in Beijing (Peking) 6,5 Prozent als Wirtschaftswachstum an.

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Bemerkenswert ist dabei der Umstand, dass insbesondere die Industrie ihr Wachstum beschleunigt, während der in den letzten Jahren tonangebende Dienstleistungssektor etwas an Tempo verlor. Das verarbeitende Gewerbe wuchs in den ersten drei Monaten des Jahres um 6,4 Prozent. Das sei die höchste Wachstumsrate seit neun Quartalen, berichtet das Internetmagazin Asia Times Online. Der Dienstleistungssektor legte mit 7,7 Prozent zwar noch immer mehr zu, hatte aber gegenüber dem Vorquartal (+8,3 Prozent) einen Gang runter geschaltet.

Doch auch die Krisenauguren kommen weiter auf ihre Kosten. Wie üblich, könnte man sagen, denn einige Segmente zeigen schon wieder Überhitzungstendenzen. Zum Beispiel die Bauwirtschaft, die sich seit vielen Jahren oft am Rande einer Überproduktionskrise bewegt und immer wieder mal für Schlagzeilen über Geisterstädte sorgt, die sich dann jedoch – weniger schlagzeilenträchtig – doch nach und nach auffüllen.

China hat zwar inzwischen über 100 Millionenstädte, aber noch immer lebt fast die Hälfte seiner Bürger auf dem Land. Und dort ist die Landwirtschaft viel zu unproduktiv, um allen den Wunsch nach einem wachsenden Lebensstandard erfüllen zu können. Die Regierung treibt daher die Urbanisierung voran, weshalb die Zahl der Millionenstädte sich bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts noch einmal verdoppeln könnte.

Für den Augenblick haben aber gut zwei Dutzend Metropolen Restriktionen erlassen, um die Bauwut etwas zu dämpfen. Denn es nützt im Kapitalismus nichts, wenn zwar der Bedarf, aber nicht die kaufkräftiger Nachfrage vorhanden ist. Das unweigerliche Ergebnis wären Firmenpleiten, wenn die Immobilienfirmen auf ihren Wohnungen sitzen blieben und ihre für den Bau aufgenommenen Kredite nicht mehr bedienen könnten.

Auch die Stahlindustrie scheint vor Problemen zu stehen. Die Nachrichtenagentur Reuters schreibt einerseits über eine kräftige Nachfrage nach deren Produkten – angetrieben auch durch eine erneute Steigerung staatlicher Investitionen in allerlei Infrastrukturvorhaben – andererseits aber von fallenden Preisen.

Diese würden darauf hindeuten, dass mehr produziert wird, als der Binnenmarkt abnehmen kann und sich daher die Lager füllen. Die Branche leidet also trotz der in den letzten beiden Jahren staatlich verordneten Schließung alter Betriebe noch immer unter Überkapazitäten.

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