China: Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Das Land der Mitte enttäuscht einmal mehr die Krisenpropheten. Einfuhren haben im Juli stark zugelegt

Wie es aussieht, haben die Schwarzseher mal wieder Unrecht gehabt. Die neuesten Zahlen der chinesischen Statistiker machen Vorhersagen einer chinesischen Krise zur Makulatur. Die Industrieproduktion lag im Juli 9,7 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Das war der stärkste Zuwachs seit Januar. Gleichzeitig wuchsen die Ausfuhren um 5,1 Prozent und die Einfuhren gar um 10,9 Prozent.

Wie es aussieht, könnte damit der Rückgang des Wirtschaftswachstum zu Stillstand kommen. Laut offizieller Wirtschaftsplanung sollte die chinesische Ökonomie in diesem Jahr um 7,5 Prozent expandieren, und die neuesten Zahlen lassen diesen Wert wieder in Reichweite erscheinen. Allerdings wäre es noch immer das geringste Wachstum seit einer schweren Krise zu Beginn der 1990er Jahre nach der Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens (Tiananmen-Platz) in Beijing (Peking).

Besonders die Nachfrage nach Rohstoffen zog im Juli stark an. Dabei ist allerdings nicht ganz klar ob es sich um eine längerfristige Entwicklung oder nur um ein einmaliges Ereignis handelt, weil Lagerbestände nach Monaten eher gedämpfter Prognosen nun doch aufgefüllt wurden. Einige Beobachter sind mit ihrer Beurteilung eher vorsichtig, andere sehen in dem Wachstum der Importe ein Zeichen für einen wachsenden Binnenmarkt. Letzteres ist ein erklärtes Ziel der Führung in Beijing, die die Abhängigkeit vom Export verringern will.

Steigende chinesische Rohstoffeinfuhren sind auch eine gute Nachricht für die großen Bergbaukonzerne. Der brasilianisch Multi Vale, einer der ganz großen der Branche, leidet derzeit stark unter den rückläufigen Rohstoffpreisen. Kupfer ist gegenwärtig knapp 30 Prozent günstiger als Mitte 2011 und 13,5 Prozent als zum Jahresanfang. Allerdings bewegt sich sein Preis noch immer auf historisch hohem Niveau. Eisenerz verbilligte sich zwischen Januar und Juni 2013 um ein rundes Viertel.

Der Preisrückgang wurde allgemein als Anzeichen für eine Abschwächung der chinesischen Konjunktur gesehen, denn die Volksrepublik ist der weltweit größte Abnehmer für die meisten mineralischen Rohstoffe. Das liegt nicht nur an der Größe des Landes sondern vor allem auch an dem ungeheuren Tempo seiner Entwicklung. Während die Wirtschaft zwischen 2005 und 2011um 87 Prozent wuchs, nahm die Stahlproduktion um 135 Prozent zu. 45 Prozent der weltweiten Produktion von Roheisen erfolgt inzwischen in China.

Das hat nur zum geringeren Teil mit dem wachsenden Konsum, vor allem aber mit den umfangreichen Investitionen in Verkehrswege, Fabriken, Wohnungen und ähnliches zu tun. Kaum ein anderes Land reinvestiert einen so großen Teil seiner Wirtschaftsleistung. Während in den entwickelten Industriestaaten der Anteil der Investitionen am Bruttonationaleinkommen meist irgendwo zwischen zehn und 20 Prozent liegt, beträgt er in China derzeit rund 48 Prozent. Trotz aller Bemühungen, den Binnenkonsum anzukurbeln ist dieser Wert in den letzten Jahren sogar noch stark angewachsen. Zuletzt war er Anfang der 1980er Jahre ähnlich hoch.

Einige Ökonomen warnen entsprechend bereits, die Investitionsrate sei zu hoch, die Rentabilität der Investitionen zu gering. China solle sein Entwicklungsmodell umstellen und mehr den Konsum betonen. Ökonomen des Internationalen Währungsfonds wiesen im letzten Jahr darauf hin, dass die Investitionsrate inzwischen höher seien, als in den ost- und südostasiatischen Ländern im Vorfeld der Asienkrise 1997/98. Weil die chinesischen Investitionen jedoch vor allem inländisch finanziert seien, würde das Risiko eines vergleichbaren Einbruchs verringert. Eine Umstellung halten allerdings auch sie für geboten.

Wie dem auch sei, vorerst sieht es danach aus, als könnte der Investitionsboom noch einmal befeuert werden: Unter den Importzuwächsen stachen insbesondere die plus 24 Prozent beim Eisenerz heraus. Die Kupfer-Einfuhren wuchsen ebenfalls um stattliche 12 Prozent.

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