China: Zum ersten Mal schrumpft die arbeitende Bevölkerung

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China wird demnächst zu schrumpfen beginnen und sollte sich Gedanken über Einwanderung machen

Jahrzehntelang galt China als das Paradebeispiel, wenn es um die vermeintliche Bevölkerungsexplosion ging. (Tatsächlich flacht sich das Wachstum der Weltbevölkerung schon seit längerem ab.) Nun schrumpft zum ersten Mal seine arbeitenden Bevölkerung, wie das Wirtschaftsblatt Caixin unter Berufung auf offizielle Statistiken meldet.

Demnach seien 2018 776 Millionen Chinesen einer Arbeit nachgegangen, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von einer guten halben Million Personen war. Außerdem gehe die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter zwischen 16 und 59 schon seit sieben Jahren zurück.

Zwischen 2011 und 2018 habe sie sich um 2,8 Prozent verkleinert. 2018 seien noch 897 Millionen Menschen in diesem Alter gewesen, fünf Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang würde Druck auf die chinesischen Löhne ausüben und den Behörden Kopfschmerzen bereiten, da die Wirtschaft ohnehin schon unter diversen Belastungen zu leiden habe.

In China lebten 2017 nach Angaben des Fischer Weltalmanachs 1,394 Milliarden Menschen. Das Wachstum ist nach Jahrzehnten der restriktiven Familienplanung inzwischen nahezu zum Stillstand gekommen. Anfang des Jahres wurde eine Prognose der Chinesischen Akademie für Gesellschaftswissenschaften CASS bekannt, wonach die Bevölkerungszahl 2029 bei 1,4 Milliarden Menschen ihren Höhepunkt erreichen und danach abnehmen werde.

Damit durchläuft China im Zeitraffer die Entwicklung fast aller anderen Industriestaaten. Diese schrumpfen alle samt, sofern sie den natürlichen Bevölkerungsverlust nicht durch Einwanderung wett machen können, wie etwa die USA, Deutschland oder Australien. Selbst in Staaten wie Südkorea, Singapur, Thailand und Malaysia hat die Fruchtbarkeitsrate bereits das für den Erhalt der Bevölkerungsgröße notwendige Niveau unterschritten.

Für China bedeutet dies die baldige Ablösung als bevölkerungsreichstes Land durch Indien. Außerdem mag der sich abzeichnende Arbeitskräftemangel ein zusätzliches Motiv für die rasche Entwicklung der weiteren Automation der Fabriken mittels Robotern sein. Langfristig wird das Land aber sicherlich dennoch nicht drum herum kommen, eine etwas freundlichere Politik gegenüber potenziellen Einwanderern zu entwickeln. Besonders in Afrika herrscht schon heute erhebliches Interesse am Leben in China.

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