China expandiert

Wirtschaft wieder auf Wachstumspfad, aber Zweifel an der Qualität der Statistiken

Chinas Wirtschaftsleistung ist im vergangenen Jahr um ansehnlichen 8,7 Prozent gewachsen, berichtet die Nachrichtenagentur Xinhua. Nach Angaben des Leiters des Nationalen Büros für Statistik (NBS), Ma Jiantang, betrug das Bruttoinlandprodukt (BIP) 2009 33,54 Billionen Yuan (rund 3,5 Billionen Euro). Damit beträgt das chinesische Pro-Kopf-BIP inzwischen ca. 2.700 Euro.

Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2007 knapp 28.000, in der Türkei etwa 6.800 und in Brasilien rund 8200 Euro. (Angaben nach Fischer Weltalmanach 2010.) Mit anderen Worten: China holt zwar im enormen Tempo auf, wird aber noch mindestens zehn Jahre brauchen, um auch nur das Niveau der fortgeschritteneren Schwellenländer zu erreichen.

Nach einem für chinesische Verhältnisse krisenhaft schwachen Antieg von lediglich 6,2 Prozent (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) hatte das Wachstum im Jahresverlauf stetig angezogen und lag im vierten Quartal bereits wieder etwas über zehn Prozent. Das hatte allerdings auch damit zu tun, dass das vierte Quartal 2008, also die Elle, an der gemessen wurde, von einem regelrechten Einbruch der Industrieproduktion und der Exporte gekennzeichnet war.

Es gibt allerdings immer noch einige Unsicherheit über den Wert der chinesischen Statistik. Das Problem sind die Angaben der Provinzbehörden, unter denen es immer noch üblich zu sein scheint, Statistiken zu schönen. Damit lässt sich nämlich die eigene Karriere befördern. Ma und dem NBS ist das seit langem ein Dorn im Auge, weshalb man sich um unabhängige Erhebungen bemüht. Seit dem Frühjahr wird das Fälschen von Statistiken explizit mit Strafen belegt.

Ein Indiz für Übertreibungen beim Wirtschaftswachstum sind wiederholt auftretende Widersprüche zwischen den Angaben der chinesischen Netzgesellschaft über den Bedarf an elektrischer Energie und den Berichten über die Wirtschaftsleistung. Im Juni 2009 berichtete die in Shanghai betriebene Internetplattform ChinaStakes von einem erheblichen Rückgang des Strombedarfs in einigen wichtigen Küstenprovinzen, der nicht so recht mit den Angaben der dortigen Behörden über die Wirtschaft in Einklang zu bringen ist.

Von den Schwierigkeiten der Statistiker zeugt auch ein anderer Beitrag des gleichen Magazins von Ende Dezember 2009. Demnach hat das von das NBS Anpassungen in der Berechnung des BIP vornehmen müssen. Offensichtlich gibt es noch immer Schwierigkeiten, den Dienstleistungsbranchen, die durch unzählige kleine Privatbetriebe dominiert werden, richtig einzuschätzen. 2005 hatte es deswegen eine größere Korrektur gegeben, die den Anteil des tertiären Sektors um rund zehn Prozentpunkte nach oben bewerteten.

Demnach hat sich in den verbesserten Zahlen das Gewicht zwischen Dienstleistungssektor und Industrie etwas verschoben, und zwar zu Ungunsten letzterer. Der Dienstleistungssektor trägt nach den neuen Berechnung inzwischen 41,8 Prozent (plus 1,8 Prozentpunkte) zum BIP bei, die Industrie 47,5 Prozent (minus 1,1 Prozent). Der Autor des erwähnten Artikels meint in diesem Zusammenhang, dass der Konsum in der Volksrepublik ohne weiteres um zehn oder 20 Prozent größer sein könnte, als bisher angenommen.

Letzteres heißt aber wiederum, dass die Zweifel an der Qualität der Statistik nicht unbedingt bedeuten muss, dass die ökonomische Lage schlechter als dargestellt ist. Ein stärkerer chinesischer Binnenmarkt würde nämlich zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beitragen.

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