China greift nach den Sternen

Heute startet im Land der Mitte eine Rakete mit einer Miniraumstation. Die Volksrepublik baut das Raumfahrtprogramm aus

Von Chinas Raumhafen Jiuquan, im Westen zwischen Tibet und der Mongolei gelegen, wird am heutigen Donnerstag eine besondere Mission starten. Die Volksrepublik schickt ihre erste Raumstation in den Orbit. Am Montag wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Die auf den Namen "Tiangong 1" ("Himmelspalast 1") getaufte Station besitzt ein Andockmodul, ist 10,4 Meter lang, 8,5 Tonnen schwer und hat an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 3,35 Metern. Zukünftigen Taikonauten, wie chinesische Raumfahrer genannt werden, stehen 15 Kubikmeter an Wohn- und Arbeitsraum zu Verfügung. Besuch US-amerikanischer oder europäischer Astro- bzw. Kosmonauten erwartet man offensichtlich nicht. Die beiden Schlafplätze sind nur für Körpergrößen bis 1,8 Meter ausgelegt, was auch manchem Nordchinesen Probleme bereiten könnte.

Aber Tiangong 1 soll ohnehin nur zwei Jahre genutzt und in einem relativ niedrigen Orbit gebracht werden. Ihr Hauptzweck ist offensichtlich das Sammeln von Erfahrungen für den Bau weiterer Stationen. Xinhua zitiert beteiligte Fachleute mit der Bemerkung, dass viele Komponenten neu und noch nie in der Praxis getestet seien. Die Mission sei daher nicht ohne Risiken. Unter anderem haben chinesische Entwickler und Taikonauten noch keine Erfahrung mit dem Andocken im All. Bisher sind in der zweijährigen Betriebsphase drei Besuche geplant, mindestens einer davon wird bemannt sein.

Die Global Times, das für das Ausland bestimmte Sprachrohr der chinesischen KP, bezeichnet Tiangong 1 als Vorspiel für den Bau einer chinesischen Raumstation, die um das Jahr 2020 erfolgen soll. Ursprünglich hatte sich China um die Beteiligung an der Internationalen Raumstation ISS bemüht, war aber aufgrund des Einspruchs der USA gescheitert. In zwischen ist die Volksrepublik eines der wenigen Länder, dass die Mittel für die Raumfahrt aufstockt. Auch den Mond hat man schon ins Visier genommen und hält langfristig die Errichtung einer lunaren Basis für möglich.

Die Internetversion der Global Times hat ein lesenswertes Dossier über den geplanten Start zusammengestellt.

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