Chinas Autoboom

Hauptstadt schränkt Neuzulassungen ein, VW-Wolfsburg nicht mehr die weltgrößte Autofabrik

Beijings (Pekings) Behörden greifen zu drastischen Mitteln gegen den Dauerstau in Chinas Hauptstadt. Nach Angaben der in Hongkong erscheinenden Tageszeitung South China Morning Post soll im kommenden Jahr die Neuzulassung von Autos stark begrenzt werden. Statt der 750.000 neuer Nummernschilder, die 2010 verteilt wurden, soll es 2011 nur noch 240.000 geben, die per Los verteilt werden. Darüber hinaus brauchen Halter von Fahrzeugen mit auswärtigen Nummernschildern künftig eine spezielle Erlaubnis, wenn sie in die Metropole fahren wollen. Das Beijinger Stadtzentrum wird für sie künftig während des Berufsverkehrs selbst mit Sondererlaubnis gesperrt sein.

In Beijing sind derzeit nach dem Bericht der Hongkonger Zeitung 4,76 Millionen Fahrzeuge zugelassen. China ist seit kurzem der weltgrößte Markt für Neuwagen. Obwohl der Motorisierungsgrad mit rund 100 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner noch vergleichsweise gering ist und selbst unter dem Niveau von manch anderem Entwicklungsland liegt, leiden die meisten Großstädte des Landes inzwischen erheblich unter Dauerstaus. Daran hat auch der rasante Bau von Stadtautobahnen und mehrgeschossigen Straßen nichts ändern können.

Von Januar bis November wurden in der Volksrepublik laut Bloomberg 16,4 Millionen Kraftfahrzeuge verkauft, 12,45 Millionen davon waren PKW. Ausländische Hersteller schneiden sich nach wie vor einen großes Stück vom Kuchen ab. VW rechnet zum Beispiel damit, in diesem Jahr in seinem Shanghaier Werk mehr als eine Million PKW herzustellen. Damit würde die dortige Fabrik das Stammwerk in Wolfsburg überflügeln und zur weltgrößten Autofabrik aufsteigen. Für nächstes Jahr wird mit insgesamt 20 Millionen Neufahrzeugen auf dem chinesischen Markt gerechnet.

Man darf gespannt sein, wie lange für diese rasch wachsende Flotte genug billiger Sprit zur Verfügung steht. Derzeit stehen nach einem Bericht der Financial Times vor den chinesischen Tankstellen lange Schlangen, weil die Regierung die Preise für Benzin und Diesel erhöhen will. Aus Angst davor, die Inflation zu sehr anzuheizen, bleibe der Aufschlag allerdings unter dem, was die gestiegenen Rohölpreise gebieten würden.