Christian Wulff ist der schwarz-gelbe Kandidat für Bellevue

SPD und Grüne stellen einen Gegenkandidaten vor

Nun ist es offiziell: Arbeitsministerin von der Leyen konnte sich nicht durchsetzen im Kampf ums Schloss. Als zu liberal empfanden die Konservativen in der Union ihre Familienpolitik, die FDP störte sich an ihrem Vorstoß zu Netzsperren. Kita-Plätze und Kinderpornographie-Kampagne setzten der Vorzeigemutter der Union ein Stoppschild. Stattdessen ist der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff der Kandidat von Union und Liberalen für das Amt des Bundespräsidenten. Kanzler kann er nach eigenem Bekunden nicht, dem eher repräsentativen Amt fühlt er sich offenbar eher gewachsen.

Dabei ist auch Wulff in der letzten Zeit in die Kritik geraten. Im Februar sorgte der Internetauftritt seiner Regierung für Ärger, weil dort die Ehefrau von Wulff vorgestellt wurde – einschließlich ihrer PR-Tätigkeit für Continental und Rossmann. Die Opposition warf Wulff daraufhin vor, Reklame für Wirtschaftsunternehmen auf der Seite der Regierung zu betreiben. Die Seite ist nach wie vor online.

Weitaus schwerer jedoch wiegt der Eindruck, den Wulffs Umgang mit seiner erst jüngst ernannten Sozialministerin Aygül Özkan hinterlassen hat – berufen, um „die Weichen für unser Niedersachsen im Jahr 2020 zu stellen“ preschte Özkan noch vor ihrer Ernennung mit der Idee vor, Kruzifixe aus Niedersachsens Schulen zu verbannen, da diese nicht zur Trennung von Staat und Kirche passten. Für Wulff hingegen war das nicht hinnehmbar – er distanzierte sich umgehend von seiner Frau für morgen, mit so viel Fortschrittlichkeit hatte er wohl nicht gerechnet. Wulff stellt sich selbst als bekennender Christ dar, will „die Bewahrung der Schöpfung wörtlich nehmen“, wie er auf seiner Internetseite schreibt. In diese Linie passt auch sein Auftritt beim Arbeitskreis christlicher Publizisten (ACP) vom 19. Mai. Hansjörg Hemminger, Beauftragter für Weltanschauungsfragen bei der evangelisch-württembergischen Landeskirche, hält den ACP für ein „Vermittlungsorgan für Extremismus und Fanatismus aus der rechten Ecke, aber auch aus dem Kreis der Sektierer“.

SPD und Grüne scheinen derweil ihre Ankündigung, einen gemeinsamen Gegenkandidaten zu präsentieren, sollte die Regierung sie nicht an der Auswahl eines gemeinsamen, überparteilich anerkannten Kandidaten zu präsentieren, wahr zu machen: sie werden den parteilosen Theologen Joachim Gauck, den ehemaligen Leiter der Behörde für die Stasi-Unterlagen ins Rennen schicken.