"Consequences of US Military Intervention in Cuba (TS)"

Vor 50 Jahren wollten US-Generäle eine Kriegsgrund vortäuschen, um auf Kuba einzumarschieren

Ein Jahr nach der fehlgeschlagenen Geheiminvasion in der Schweinebucht durch CIA und Exilkubaner schlug der Vereinigte Generalstab der Teilstreitkräfte vor, auf Kuba mit dem offiziellen US-Militär einzumarschieren. Für die amerikanische Öffentlichkeit bedurfte es hierzu eines Vorwands, der die scheinbare Notwendigkeit eines Kriegs „begründen“ sollte. Bereits am 13. März 1962 unterzeichnete der höchste amerikanische Soldat, General Lyman Louis Lemnitzer, das berüchtigte Northwoods-Dokument. Die Generäle präsentierten hierin diverse Vorschläge für fingierte Attentate auf amerikanische Schiffe, Flugzeuge oder Städte, die entweder vorgetäuscht oder tatsächlich begangen werden sollten. Die Anschläge sollten Fidel Castro angelastet werden und damit in den USA die für einen Angriffskrieg erforderliche Stimmung provozieren.

Obwohl die Regierung Kennedy ablehnte und den Generälen mitteilte, es werde auf Kuba keinen Einmarsch geben, planten die Militärs einfach weiter. Das Verhältnis zwischen Weißem Haus und Pentagon war seinerzeit äußerst gespannt, die Kennedys schlossen sogar einen Staatsstreich der rechtskonservativen Militärs um Lemnitzer, LeMay und Anderson nicht aus. Die Vorschläge der Generalität wurden von Verteidigungsminister Robert McNamara jeweils einsilbig zurückgewiesen. Er signalisierte Lemnitzer, dass es für den mächtigen General keine zweite Amtszeit als Chairman des Joint Chiefs of Staff geben würde. Unbeirrt unterzeichnete Lemnitzer am 08. August 1962 den Plan zum Einmarsch auf Kuba. Dieser sah erneut Terror-Inszenierungen und eine CIA-gestützte "Konterrevolution" vor. Während das eigentliche Northwoods-Dokument relativ knapp gehalten war, beinhaltete das "Consequences of US Military Intervention in Cuba (TS)" betitelte Dokument auf über 200 Seiten sehr konkrete Pläne zur Einnahme der Insel. Auch von diesem Vorstoß wollte McNamara nichts wissen.

Die Generäle hätten bei einem Angriff auf Kuba eine derbe Überraschung erlebt. Zwei Monate später entdeckte die CIA auf der Zuckerinsel bislang erfolgreich getarnte Vorbereitungen für sowjetische Raketen-Abschussbasen. Der Umstand, dass damals bereits 42 nuklear bestückte Raketen auf Kuba nahezu einsatzbereit waren und ein amerikanischer Einmarsch jedenfalls mit taktischen Atomwaffen hätte pariert werden können, erfuhren die USA erst vierzig Jahre später auf einer Historiker-Konferenz. Hierzu wäre es während der Kubakrise beinahe gekommen. So verlangte Castro am Morgen des verhängnisvollen 27. Oktobers 1962, bekannt als „Schwarzer Samstag“, von Chruschtschow per Telegramm den Nukleareinsatz. Auf Guantánamo Bay war aus 15 Meilen Entfernung ein abschussbereiter Sprengkopf gerichtet. Am gleichen Tag gelang es den Kennedys und Chruschtschow, das hochgefährliche Schachspiel zu beenden.

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