Da haben wir wohl was vergessen...

Vattenfall gesteht ein, dass seine Techniker im AKW Krümmel den Einbau eines wichtigen Überwachungsinstruments vergessen haben

Drei Tage nach der erneuten Schnellabschaltung im AKW Krümmel in Geesthacht in der Nähe Hamburgs hat Betreiber Vattenfall kleinlaut zugegeben, dass man bei den Aufräumarbeiten nach dem letzten Transformatorbrand geschlampt hatte:

    Die Untersuchung der Umstände, die zu der Reaktorschnellabschaltung am Wochenende führten, hat erste Ergebnisse erbracht. Danach zeigte sich, dass eine vorgesehene Überwachungseinrichtung des Maschinentransformators, die so genannte Teilentladungsmessung, nicht vor dem Wiederanfahren des Kraftwerks installiert wurde.

    Vattenfall-Pressemitteilung

Wir erinnern uns: Im Juni 2007 kommt es in einem Maschinentransformator des AKW Krümmel zu einem Kurzschluss. Das Öl mit dem der Transformator gekühlt wird, entzündet sich. Der Reaktor geht per automatischer Schnellabschaltung vom Netz, im benachbarten Hamburg kommt es zu Stromausfällen, u.a. in der U-Bahn und im Ampelnetz. Vattenfall betreibt angeblich zwei Jahre lang Ursachenforschung und Revision des Kraftwerks, baut einen alten ähnlichen oder baugleichen Transformator ein, vergisst dabei eine Überwachungseinrichtung und zwölf Tage nach der Inbetriebnahme kommt es erneut zu einem Kurzschluss in einem der beiden Transformatoren.

Spätestens jetzt war ein Bauernopfer fällig. Kraftwerksleiter Hans-Dieter Lucht musste am Dienstag seinen Hut nehmen. Vattenfall will nun neue Transformatoren besorgen und sein AKW bis zum April nächsten Jahres stillstehen lassen.

Andere Vattenfall-Mitarbeiter machen dagegen politische Karriere: Der Bundestagsbageordnete Hans-Kurt Hill von der Linksfraktion weist darauf hin, dass es mit dem Anti-Atom-Wahlkampf der SPD nicht weit her sein kann, wenn sie den Vattenfall-Manager Rainer Knauber im Saarland zum Wirtschaftsminister machen will.

Außerdem kritisiert Hill, dass die spezielle Form des Ausstiegsgesetzes dazu führe, dass sich die Laufzeit Krümmels bereits um drei Jahre gegenüber dem ursprünglichen Datum verlängert habe. Schuld sei die Zuteilung so genannter Reststrommengen, die den AKWs zugeteilt werden.

Eine Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage habe ergeben, so Hill, dass die deutschen AKWs inzwischen im Schnitt mittlerweile ein Jahr länger als ursprünglich kalkuliert. In der kommenden Wahlperiode müssten nach dem gegenwärtigen Stand sieben von 17 Atomkraftwerken stillgelegt werden. Allerdings wurden durch vorübergehende Stillstände und Leistungsverringerung bereits vier Reaktoren in die kommende Wahlperiode "gerettet": Brunsbüttel läuft nach den Berechnungen des Linkspolitikers 29 Monate länger als geplant, Biblis A 16 Monate, Neckarwestheim 1 13 Monate und Biblis B 11 Monate.