Damit nicht das falsche Känguru hüpft

Australien ist ein wenig "down under", weil Gesichtserkennung jetzt zusammen mit Pornografieseiten eingesetzt werden soll

Ach, da ist es wieder, das leidige Thema, dass technischer Fortschritt vor allem dann zu verzeichnen ist, wenn er mit Pornografie in Berührung kommt. Was bei VHS und letztendlich auch bei Virtual Reality ganz gut funktioniert hat, Videos im Netz verbeiten half und Pay-Systeme eingeführt hat, soll jetzt auch mit der Gesichtserkennung glücken. Australien will die Gesichtserkennung "über alle Bereiche hinweg" einführen. Und da kommen natürlich erst einmal wichtige Dinge dazu, die vor allem die Kinder des Landes vor den falschen Seiten des Lebens schützen sollen. Das Parlament meint damit natürlich vor allem erst einmal Kinder, die jetzt nicht einfach mehr die Führerscheine ihrer Eltern für ungebührliche Zwecke benutzen sollen. Man würde schon gerne wissen, wo australische Eltern ihre Führerscheine aufbewahren, OK, aber lassen wir das für einen Moment beiseite.

Bei Access zu - sagen wir einmal - irrtümlich gewählten Inhalten soll demnächst eben Gesichtserkennung erkennen, dass erkennbar der falsche Erkannte erkannt wird. Will sagen: wenn das Kind einen Porno laden will, sagt die Site: "Du bist nicht der Papa, der das sonst immer macht." Und dann sperrt der Dienst.

Ja, so ist das in Australien. Man darf gespannt sein. Vermutlich leiden jetzt eine Menge an Hunden im Outback daran, dass ihr Herrchen in die Kamera schauen muss, damit der beste Freund endlich wieder seine Hundebilder googlen kann. Aber ansonsten sind natürlich alle froh, dass der Zugang zu Pornografie so viel besser beschützt werden kann und das Kind mit Kängurus aufwächst und sonst kein Hüpfen sieht und mitbekommt. Wollen wir hoffen, dass die Gesichtserkennung dann aber nicht durch einfaches Hochhalten eines Familienfotos ausgetrickst werden kann. Das wäre übel.

Manches ließe sich jetzt vermutlich auch mit anderen Mitteln und Kanälen bewerkstelligen, denn es gibt ja nicht nur die Gesichtserkennung, die den Papa vom Sohnemann unterscheiden lässt. Schaut man sich ein bisschen um, sieht man das Potential an Haushaltsgeräten, die nicht immer auf den Führerschein des Vaters geeicht sein müssen.

Oral-B hat zum Beispiel eine Zahnbürste auf den Markt gebracht, die den oder die Nutzer(in) warnt, wenn falsch geputzt wurde. Ich weiß, ich begeben mich jetzt auf Glatteis, wenn ich vorschlage, vielleicht bei der Pornoverhütung ähnliche Wege mit begleitenden Geräten zu gehen und technische Hilfsmittel dann zu sperren, wenn sie offensichtlich ungebührlich benutzt werden. Aber eine Anregung wäre das vielleicht wert. Dann muss man nicht gleich in den Überwachungsstaat ausarten, nur weil der Sohn nicht mit hochroten Ohren vor einem Bildschirm erwischt werden soll.