Darpa will das Gedächtnis der Soldaten optimieren

Notwendig sei ein Gedächtnisverstärker, weil die Datenflut durch die Informationstechnologien anschwillt

Das Pentagon setzt auf Neurotechniken. Das National Research Council hatte in einem Bericht, der 2008 erschienen ist, das Potenzial der kognitions- und neurowissenschaftlichen Forschung und der daraus entstehenden Techniken und Medikamente umrissen.

Dabei ging es etwa um die künftige Bedeutung von Gehirn-Maschine-Schnittstellen, neuronal gesteuerte Prothesen, kognitive und sensorische Prothesen, intelligente Systeme, die so aufgebaut sind, wie menschliche Gehirne, kognitive Systeme, die das Internet nutzen, um sich Wissen anzueignen, oder auch Möglichkeiten, Zustände oder Intentionen über neurophysiologische Daten zu erkennen. In vielen Bereichen finanzieren Darpa oder andere Forschungsbehörden des Pentagon bereits Projekte, die mitunter auch reichlich futuristisch sind.

Die Darpa hat gerade ein Forschungsprojekt ausgeschrieben, um Möglichkeiten zu entwickeln, wie sich das menschliche Gedächtnis optimieren ließe. Billig soll es sein, leicht, einfach zu bedienen und es den Soldaten ermöglichen, das Gedächtnis zu verbessern und große Informationsmengen zu erinnern, um schneller bessere und genauere Entscheidungen treffen zu können. Wichtig sei dabei eben auch, möglichst genaue Informationen im Gedächtnis abspeichern zu können.

Dringend werde dies, weil der zunehmende Einsatz von Informationstechnologien die Datenflut enorm wachsen lässt. Da sie nicht mehr im Gedächtnis abgespeichert werden kann, sollen Techniken entwickelt werden, die die "neurokognitiven Prozesse optimieren, welche der Informationsaufnahme ins Gedächtnis zugrunde liegen". Zunächst muss dabei das Kurzzeitgedächtnis verstärkt werden, um dann die Informationen im Langzeitgedächtnis abzuspeichern. Wenn diese beiden Prozesse zeitlich koordiniert würden, würde dies das Erinnern und Wiederabrufen verbessern. Bei der Darpa denkt man daran, diese Synchronisierung durch Stimulation von Gehirnwellen zu unterstützen. Gammawellen würden die Informationsaufnahme ins Arbeitsgedächtnis begleiten, Thetawellen die Abspeicherung ins Langzeitgedächtnis.

Erwartet werden Vorschläge für ein System, das Gamme- und Thetawellen in Echtzeit induziert und synchronisiert, um die Informationsaufnahme und –speicherung von Informationen zu verbessern. Man darf gespannt sein, was bei diesem Projekt herauskommt. Unpraktisch wäre es sicherlich nicht, wenn man nur ein Gerät anschalten müsste, das das Gehirn so massiert, dass es beim Lesen, Sehen oder Hören etwa für Prüfungen so abspeichert, dass es auch wieder erinnert werden kann.

Allerdings könnte dann das Problem auftreten, dass diese Technik in den Augen der Darpa erst wünschenswert macht. Die Datenflut, die von der Informationstechnologie erzeugt wird, würde schließlich dann den Flaschenhals der Aufmerksamkeit umgehen und sich ins Gehirn ergießen. Die Frage wäre dann, wie viel Platz auf der neuronalen Festplatte ist und wie gut die Information noch abgerufen werden kann. Möglicherweise wäre dann Plug-Ins mit Data-Mining-Programmen, um an die gewünschte Information überhaupt zu gelangen. Und unerlässlich wäre auch die Möglichkeit, große Informationsmengen, die nicht mehr gebraucht werden und das Gedächtnis verstopfen, wieder löschen zu können.

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