Darpa wünscht intuitiv verstehbare Visualisierung des "Cyber-Schlachtfelds"

Im Rahmen von "Plan X" soll die Cyberwar-Führung einfacher und effektiver gemacht werden

Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, will für den Cyberwar neue Mittel entwickeln. Angekündigt wird der "Plan X", für den erst einmal 100 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt werden. Angeblich soll es, wie es in der Ankündigung eines Workshops für Anbieter im September heißt, nicht um die Entwicklung neuer Cyberwaffen oder um eine Analyse von Systemschwächen gehen, sondern grundsätzlicher um "Techniken zum Verstehen, Planen und Managen eines Cyberkriegs in Echtzeit in großen und dynamischen Netzwerken". Die Techniken sollen, natürlich für die Darpa, selbstverständlich "revolutionär" und innovativ sein. Das Programm wird von dem ehemaligen Hacker Daniel Roelker, der jetzt bei der Darpa arbeitet, betreut.

Man will also keine neue "Waffen" wie etwa Stuxnet schaffen, sondern eher die Möglichkeit haben, wie es Wired interpretiert, Online-Angriffe zu einen normaleren Bestandteil von Militäroperationen zu machen. Es soll also künftig einfacher und weniger aufwändiger werden, Angriffe auszuführen, dazu sollen auch entsprechende Strategien und Taktiken entwickelt werden. Wie immer geht es auch in der Begründung darum, "das Cyberschlachtfeld zu dominieren". Insgedamt steht der Darpa für die Entwicklung von Techniken für den Cyberwar zwischen 2013 und 2017 ein Budget von 1.54 Milliarden zur Verfügung, was auch darauf hinweist, wie wichtig dem Pentagon dieses "Schlachtfeld" ist.

Gedacht wird an Programme zur automatischen Analyse etwa der Topologie von Netzwerkstrukturen, um die Soldaten beim Planen von Cybereinsätzen zu unterstützen. Automatisch sollen auch nachprüfbare und quantifizierbare Pläne für "Missionen" mit einem Script erstellt werden. Ausgeführt werden sollen die Angriffe zwar auch automatisch, aber überwacht von einem Menschen. Man stellt sich die erwünschte Technik wie einen Autopiloten in einem Flugzeug vor. Wichtig ist der Darpa auch, dass die möglichen Schäden eines Angriffs aus einem automatisch erstellten Plan quantitativ dargestellt werden. Daneben sollen Betriebssysteme und Plattformen entwickelt werden, die als gegen Angriffe geschützte (hardened) "Kampfeinheiten" in "dynamischen, umkämpften und feindlichen Netzwerken" eingebracht werden können, um dort die Schäden zu überwachen, eine Kommunikation zu ermöglichen, Waffen einzusetzen oder einen Schutz vor Angriffen zu bieten.

Interessant ist der vierte Punkt, der auch Filmregisseure stets vor ein Problem stellt, weil beim Cyberwar erst einmal wenig Dramatisches und auch einem Laien intuitiv sich Erschließendes auf den Bildschirmen der Cyberkrieger zu sehen ist. Hier wird gewünscht, große "Cyberschlachtfelder" so zu visualisieren, dass die Benutzer diese intuitiv verstehen und überblicken können. Die Visualisierungen sollen für die Menschen die Planung und Ausführung erleichtern und natürlich auch ermöglichen, daraus Simulationen für Trainingsspiele zu machen. Darpa-Direktor Kaigham Gabriel spricht von einer digitalen "Karte", die alle Verbindungen eines Netzwerks, die Datenflüsse und die Veränderungen in ihm, die Kapazitäten und Schwächen, aber auch die Aktionen der Gegner zeigt. "Im Bruchteil einer Mikrosekunde können sich ein vollständig anderer Informationsfluss und eine andere Struktur von Knoten ergeben", so Gabriel gegenüber der Washington Post. "Die Herausforderung und die Chance liegen darin, eine Möglichkeit zu schaffen, um stets einen schnellen, hoch angesiedelten Blick darauf zu haben, wie das Internet aussieht, wie der Cyberspace zu jedem Zeitpunkt aussieht."

Und wie bei vielen anderen Techniken würden "revolutionäre" Fortschritte in der Cyberwarführung dem Pentagon vielleicht erst einmal Vorteile gewähren, aber sie könnten nicht nur Gegnern, sondern auch beliebigen Nutzern dazu dienen, einfacher, bequemer und effektiver Angriffe oder Anschläge zu planen und auszuführen.

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