Das Buch war schon tot, es lag nur noch da

Neben der Spur

22 Prozent des US-Buchmarktes finden jetzt bereits ohne Papier statt. Zeit für neue Verlagsmodelle.

Es gab einmal eine Zeit, da war saures Papier ein Problem. Die Bücher lösten sich einfach auf und den Paper Natives rieselte beim Aufklappen der Goethe entgegen. Aber heute muss man gar nicht sauer sein. Bücher verschwinden sozusagen von selbst. Sie werden digital. Und nach den aktuellen Marktzahlen aus den USA ist das inzwischen mehr als signifikant.

22 Prozent des Umsatzes sind elektronisch und lassen die Bäume stehen. Papier bekommt den Hauch von gestern. Es stellt sich die Frage, was denn ein Buch noch ist, wenn es als Download mehr und mehr den Status eines MP3-Files bekommt. Warum muss es denn noch Bücher geben, so wie wir sie kennen? Es gibt ja auch keine Langspielplatten mehr als solches. Das Format, ja, das gibt es noch, aber niemand ist gezwungen, komplett alle Tracks zu laden. Der Trend geht dann auch hin zur Verkürzung oder zum LongLongplayer mit mehr als 60 Minuten Dauer. Ist doch einerlei und Autoren und Lesern vollkommen selbst überlassen, das ist die Spotify Dekade. 33 1/3 sagt nur noch der Oma etwas.

Tim Waterstone hat daraus nun die Konsequenz gezogen. Er steckt ja hinter einer erfolgreichsten Buchketten in Grossbritannien und kommt nun mit einer ganz anderen Idee daher. Ab Herbst sollen unter der Marke Read Petite nicht kleine Kunden, sondern die Leser für kurzknappe eBook-Lektüre angesprochen werden. Mit einer Flat Fee. Ähnlich zu Spotify aber eben mit einem eigenen Format. Denn Waterstone geht davon aus, dass elektronische Bücher nicht immer Wälzer sein müssen. Die Wiederkehr der Pulp Fiction meinetwegen, oder der fliegenden Blätter. Aber auf jeden Fall etwas im Umfang Angepasstes. Meint Waterstone.

Die Kurzgeschichte auf dem eBook bekommt dann wieder einen gewissen Charme. Sie muss fertig gelesen sein, bevor die S-Bahn ihren Zielbahnhof erreicht. Also muss sie mindestens weniger als 22 Prozent einer Standardbuchlänge haben. Sozusagen.

Und der Snob lässt sich das dann von seiner Sekretärin auf Bütte ausdrucken und für die Heimfahrt binden.

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