Das Ende der US-Investmentbanken

Mit Goldmann Sachs und Morgan Stanley werden die letzten beiden großen Investmentbanken in normale Geschäftsbanken umgewandelt, um sie zu retten..

Mit Goldmann Sachs und Morgan Stanley werden die letzten beiden großen Investmentbanken in normale Geschäftsbanken umgewandelt. Das teilte die US-Notenbank FED mit. Nach der Pleite von Bear Stearns und Lehman Brothers und der Flucht von Merrill Lynch unter die Fittiche der großen Bank of America ist damit das Ende der Investmentbanken eingeleitet, welche die Wall Street für gut zwei Jahrzehnte dominierten.

Die Umwandlung ist ein weiterer Schritt der größten Umwälzung des US-Bankensektors seit der Weltwirtschaftskrise 1929. In einem Kommentar des "Wall Street Journal" hieß es, das bedeute das "Ende der Wall Street", wie sie lange bekannt gewesen sei.

Dahinter steht aber kein Umdenken, sondern es ist eine getarnte Rettungsaktion. Denn die beiden Investmentbanken retten sich mit der Umwandlung unter den Schutz der gebeutelten Einlagensicherungsbehörde FDIC, und sie werden zusätzlich mit neuen Geldspritzen versorgt. Zudem erhalten sie Zugang zu der leichteren Refinanzierung über den Diskontsatz der FED. Mit der neuen Definition soll ein Stück Normalität suggeriert werden. Die FED hatte diese Möglichkeit auch auf Investmentbanken ausgeweitet, die eigentlich nur Geschäftsbanken zur Verfügung steht. Doch das darf nach ihrer Satzung nur in "ungewöhnlichen und sehr ernsten Umständen" geschehen. Dabei kann von Normalität keine Rede sein, weil die FED als "Sicherheiten" zweifelhafte Papiere entgegen nimmt und neuerdings sogar Aktien.

Hervorgehoben wird in Berichten stets, die Umwandlung bedeute für die US-Behörden nun als Gegenwert für die übernommenen Verluste eine stärkere Kontrolle über die ehemaligen Investmentbanken. Unter diesem Status hatten sie Sonderrechte und konnten auch Sonderrisiken eingehen, was ihnen in der Vergangenheit oftmals enorme Gewinne gezeitigt hat. Künftig unterliegen sie den Kontrollen, Regeln und Kapitalanforderungen, die auch für andere Banken gelten.

Über diese Lesart muss man sich allerdings erstaunt die Augen reiben. Was hat denn die angeblich stärkere Kontrolle der US-Behörden über die Geschäftbanken bedeutet? In der letzten Woche hat mit der Ameribank, Inc., Northfork, die 12. Geschäftsbank die Zahlungsunfähigkeit [angemeldet::http://www.fdic.gov/bank/individual/failed/ameribank.html] und die Liste der gefährdeten Banken wird immer länger. Dabei waren auch große wie Banken wie Indymac, um von der Verstaatlichung der halbstaatlichen riesigen Immobilienfinanzierer nicht zu sprechen.

Damit stehen auch die angeblich so gesunden Bilanzen von Goldmann Sachs in Zweifel, die sie erst vergangene Woche vorgelegt hat. Angeblich sei sie trotz guter Zahlen durch Spekulanten über Leerverkäufe nahe an den Abgrund gebracht worden. Da diese nun verboten sind, wundert es, warum sich auch Goldmann Sachs die Umwandlung will und sich den Zugang zu billigen Krediten sichert. Vermutet werden darf, dass auch hier noch erhebliche Risiken in den Tiefen der Bilanzen schlummern.

Das Rettungspaket der Regierung Bush, zu dem auch ausländische Banken Zugang erhalten sollen, gerät immer stärker in die Kritik. "Es behandelt die Symptome, nicht das zugrunde liegende Problem. Die Hauspreise werden weiter sinken, und das bedeutet weitere faule Kredite, weitere Abschreibungen, weiteren Druck auf die Bankbilanzen", sagte der Chef-Marktstratege Bill Strazzullo von Bell Curve Tradin. Auch Präsidentschaftskandidat Barak Obama geht auf Distanz: "Das darf kein Plan nur für die Wall Street sein", sagte Obama. Die enormen Ausgaben seien nur gerechtfertigt, wenn sie arbeitenden Familien zugute kämen, Arbeitsplätze schafften und Haushaltskürzungen oder Steuererhöhungen verhinderten, erklärte er am Sonntag..

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