Das Erfolgsrezept der Menschen ist der erhöhte Fleischkonsum

Nach einer Studie sollen sich Menschen von den anderen Primaten durch den Fleischkonsum unterscheiden

Die Entwicklungspsychologin Elia Psouni und der Neurophysiologe Martin Garwicz von der Lund-Universität sowie der Evolutionsgenetiker Axel Janke von der Goethe Universität in Frankfurt/M. haben versucht, den Einfluss des Fleischverzehrs, der einhergeht mit der Jagd und dem Werkzeuggebrauch, auf die menschliche Evolution zu erfassen. Menschen essen deutlich mehr Fleisch als andere Primaten. Fleisch macht bei Schimpansen nur 5 Prozent der Nahrung aus, während der Anteil bei Gesellschaften von Jägern und Sammlern, die ähnlich leben sollen wie Menschen im afrikanischen Pleistozän, in dem der moderne Mensch entstand, zwischen 20 und 50 Prozent liegt. Auffällig ist, dass menschliche Kleinkinder deutlich früher als die Kinder von anderen Säugetierarten entwöhnt werden.

Die Wissenschaftler sehen hier, wie sie in ihrem Artikel schreiben, der in Plos ONE erschienen ist, einen Zusammenhang. Durch die neue Fleischkost können die Kinder früher entwöhnt, also mehr Kinder in kürzerer Zeit geboren und aufgezogen werden, was die Menschen auch reproduktiv erfolgreich macht und sie sich allmählich auf der Erde ausbreiten können. Schimpansen, deren maximale Lebenszeit bei 60 Jahren liegt, stillen die Kinder 4-5 Jahre lang, Menschen, deren maximale Lebenszeit 120 Jahre beträgt, durchschnittlich zwei Jahre und vier Monate.

Allerdings sind die Menschen biologisch keine Ausnahme, wie die Wissenschaftler anhand von 67 Säugetierarten zeigen, bei denen sie das Gehirngewicht bei Erwachsenen, das Körpergewicht der Weibchen, die Biomechanik der Glieder (aufrecht auf den Hinterfüßen stehen können oder nicht) und die Nahrungsaufnahme verglichen. Säugetiere, bei denen der Anteil von Fleisch an ihrer Nahrung 20 Prozent und mehr beträgt, wurden als Fleischfresser eingeordnet. Bei allen Arten hört das Stillen mit dem Erreichen einer bestimmten Gehirnentwicklung auf. Fleischfresser, egal ob es sich um Frettchen oder Panther, Killerwale oder Menschen handelt und unabhängig von allen Unterschieden zwischen ihnen, werden dabei, vermutlich aufgrund der proteinreicheren Ernährung, allgemein schneller entwöhnt als Alles- oder Pflanzenfresser. Die Schwelle liege bei einem Anteil von 10-20 Prozent Fleisch.

Und weil Schimpansen, Gorillas und Orangutans, also unsere nächsten Verwandten, allesamt Pflanzen- und Allesfresser sind, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Unterschied zwischen den Menschenaffen und den Menschen durch das Fleischfressen entstanden sein könnte. Fleischkonsum könne für die Unterschiede nicht nur notwendig, sondern auch ausreichend sein, sagen die Wissenschaftler. Die Möglichkeit, die Nahrung zu kochen, oder Verhaltensweisen, die für mehr Nahrung sorgen, können mitgeholfen haben, seien aber nicht entscheidend gewesen. Gleichwohl sind im Vergleich mit anderen Säugetierarten die Folgen des Fleischkonsums für Gehirnentwicklung und Zeit der Entwöhnung ganz "natürlich".

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