Das Rettungskarussell dreht sich weiter

Deutsche Bank kann aufgrund neuer Bilanzierungsregeln einen kleinen Gewinn melden, Regierung plant Konjunkturmaßnahmen und die FED verschießt das letzte Pulver.

Neben der Hypo Real Estate (HRE) wollen auch andere große Privatbanken das Hilfspaket der Bundesregierung nutzen. In den nächsten Tagen werden etliche Instituten Ansprüche anmelden, sagte Finanzminister Steinbrück der "Financial Times Deutschland". Darunter seien auch solche, die sich bislang öffentlich anders geäußert hätten. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung gehören dazu die Commerzbank, die Dresdner Bank, die Postbank und die Deutsche Bank, wie es von Merrill Lynch erwartet wurde. Die HRE benötigt weitere 15 Milliarden Euro aus dem staatlichen Rettungsfonds. Erst kürzlich war für den Immobilienfinanzierer ein Rettungspaket im Umfang von 50 Milliarden Euro geschnürt worden.

Die Deutsche Bank hat im dritten Quartal effektiv einen großen Verlust eingefahren, der sich über die neuen Bilanzierungsregeln nun in einen kleinen Gewinn verwandelt, den Josef Ackermann auch gebührend herauszustellen sucht: "Trotz dieses außergewöhnlichen Umfelds konnte die Deutsche Bank das dritte Quartal mit einem Gewinn abschließen." Das Kredit-Institut verdiente rund 414 Millionen Euro und damit 75 Prozent weniger als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern sank sogar um 94 Prozent auf 93 Millionen Euro. Im Zuge der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank Wertberichtigungen von rund 1,2 Milliarden Euro vornehmen müssen. Aber hier ist der Hasenfuß, denn damit wurden die neuen Bilanzierungsregeln angewendet, denn ohne diese hätte die Deutsche Bank weitere Wertberichtigungen in einer Höhe von etwa 900 Millionen Euro ausweisen müssen und aus dem kleinen Plus wäre ein Neue-Bilanzregeln-Deutsche-Bank-rettet-sich-ins-Plus/432561.html: Minus von fast einer Milliarde geworden.

Auch Deutschland schmiedet nun an einem Konjunkturmaßnahmen, wobei man das Kind nicht so nennen will. Das Paket wird nach Angaben von SPD-Fraktionschef Struck weitere 25 Milliarden Euro kosten. Das Geld solle unter anderem in Verkehrsprojekte, die Gebäudesanierung und in Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen fließen, ]http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/detail_dpa_19393324.php sagte] Struck. Umweltminister Gabriel bestätigte, dass die Bundesregierung die Käufer von schadstoffarmen Neuwagen für zwei Jahre von der Kfz-Steuer befreien will. Das Kabinett will das Stützungsprogramm am kommenden Mittwoch beschließen.

Derweil verschießt die US-Notenbank FED das letzte Pulver und hat nun den Leitzins auf 1 % gesenkt und hält die Tür für weitere Senkungen offen. Noch immer wird nicht an die Ursache gegangen, an die weiter absackenden Immobilienpreise, die neben der steigenden Arbeitslosigkeit in den USA immer mehr Kredite faul werden lässt. Das sah man an der Wall Street wohl ähnlich, weshalb die Börsianer die Zinssenkung kalt ließ und der erwartete Kurssprung ausblieb. Der Dow Jones schloss gestern sogar mit einem Minus von 1,5 %..

Relativ gute Vorgaben kommen aus Japan. Die FED-Entscheidung sorgt für Hoffnungen auf eine Zinssenkung in Japan. Dazu kommt, dass die Regierung ein neues Hilfspaket auflegt. In Tokio schloss der Nikkei-Index mit 10 % im Plus bei 9029 Punkten. Dazu trug bei, dass auch der Yen wieder gesunken ist, was den Export erleichtert. Viele Händler sprechen aber auch von einer technischen Reaktion nach den großen Verlusten der letzten Zeit.