"Das Schweizer Volk lässt sich nicht entwaffnen"

Schweiz: Klares Nein zur Waffenschutzinitiative zeichnet sich ab

Die Schweiz ist ein Land mit alten Traditionen. Viele davon haben mit der besonderen Geschichte des Landes zu tun. So ist die Schweiz beispielsweise eine der ältesten Demokratien der Welt und pflegt daher bis heute eine besondere basisdemokratische Kultur. Dazu gehört auch das Aufbewahren der Sturmgewehre zu Hause im Schrank.

Ein Großteil der Armeeangehörigen verfährt so und läßt ihr Sturmgewehr zu Hause im Schrank oder auch unter dem Bett. Der Hintergrund dafür ist die Schweizer Verteidigungsstrategie, die den Wehrmännern im Falle einer Invasion die Möglichkeit geben will, sich bis zum Sammelplatz ihrer Einheit durchkämpfen zu können. In den vergangenen Jahren jedoch machten die stets griffbereiten Sturmgewehre weniger als Garant der schweizer Unabhängigkeit auf sich aufmerksam als vielmehr durch verschiedene Amokläufe.

2001 beispielsweise stürmte ein bewaffneter Mann das Kantonsparlament in Zug und tötete dabei 14 Menschen. 2006 wurde die ehemalige Skirennfahrerin Corienne Rey-Bellet und ihr Bruder durch ihren Ehemann erschossen. Ein Jahr darauf tötete ein Rekrut an einer Bushaltestelle eine junge Frau. Darüber hinaus werden in der Schweiz drei mal mehr Selbstmorde durch Schusswaffen gezählt als im europäischen Vergleich.

Diese Argumente sollten bei der heutigen Abstimmung Initiative zum Schutz vor Waffengewalt zur Geltung gebracht werden. Nach einer SRG- Hochrechnung zeichnet sich jedoch eine deutliche Niederlage der sogenannten "Waffeninitiative" ab, erste Ergebnisse unterstützen den Trend:

"Die ab 12 Uhr 30 laufend eintreffenden Resultate sprechen eine eindeutige Sprache: In Glarus sagten 70 Prozent der Stimmenden Nein zur Initiative, in Nidwalden 69 Prozent. Die Ergebnisse aus grösseren Kantonen bestätigten den Trend eindeutig: In Schaffhausen legten 61 Prozent ein Nein in die Urne, im Aargau ebenfalls etwas über 61 Prozent. Ein Nein gab es mit einem Anteil von über 58 Prozent auch aus dem ersten Westschweizer Kanton Freiburg." Quelle: NZZ

Für viele Schweizer gehört der Besitz des eigenen Sturmgewehres zur Schweizer Identität. Die Armeeverbände, sowie das Parlament und der Bundesrat stemmten sich im Vorfeld des Entscheids gegen den Vorschlag der Waffengegner.

Sie argumentieren, dass eine veränderte Gesetzeslage die Initiative überholt und damit unnötig mache. Verschiedene Politiker der Schweizerischen Volkspartei argumentieren darüber hinaus damit, dass mit der Abgabe der Sturmgewehre ein Waffenmonopol für Verbrecher entstünde. Über den Verbleib der etwa 4700 Armeewaffen, die in den vergangenen 40 Jahren durch Einbrecher entwendet worden sind, sprechen die Schweizer Konservativen allerdings nicht.

Erste Reaktionen auf das sich abzeichnende "Nein" zur Intiative fallen im konservativen Lager entsprechend positiv aus: "Das Schweizer Volk lässt sich nicht entwaffnen," kommentiert der St.Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler, der zur Spitze des "Nein-Komitees" gehört. Die deutliche Ablehnung zeige, dass in der Schweiz eine Tradition bezüglich der Waffen bestehe. Es gebe ein Vertrauen in das Volk.

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