Das US-Bankensterben geht weiter

Am Wochenende wurden erneut sieben Banken geschlossen und damit sind schon mehr als viermal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Dass die Finanzkrise längst nicht überwunden ist, zeigt das Bankensterben in den USA mehr als deutlich. Waren es 2008 insgesamt 25 Banken, die von der US-Einlagensicherungsbehörde geschlossen wurden, sind es im laufenden Jahr schon 106. Dass das Bankensterben munter weiter gehen wird, ist kein Geheimnis. Wie erwartet, spitzt sich nun vor allem die Krise bei den Gewerbeimmobilien zu. So musste mit der Capmark Financial Group nun auch einer der größten Kreditgeber für Bürotürme, Einkaufszentren und Hotels Gläubigerschutz beantragen.

Die Namen der sieben Regionalbanken, die über das Wochenende von der US-Einlagensicherungsbehörde ( FDIC) geschlossen wurden, sagen hierzulande wohl kaum jemandem etwas. Geschlossen wurden die Partners Bank, die Hillcrest Bank und die Flagship National Bank im Bundesstaat Florida, dazu kam die American United Bank in Georgia, die Riverview Community Bank in Minnesota, die Bank of Elmwood in Wisconsin und die Dupage Bank in Illinois. Erstmals seit der Sparkassenkrise 1992 sind wieder mehr als 100 Banken betroffen, der einst insgesamt 181 Institute zum Opfer fielen.

Für diese neuen Pleiten steht die FDIC "nur" mit etwa 360 Millionen Dollar ein. Das scheint verkraftbar, doch die Konkurswelle hat den Reservefonds fast leer geräumt. Vor einem Jahr konnte er noch 45 Milliarden Dollar vorweisen, auch wenn das schon der tiefste Stand seit 1995 war. Inzwischen sind gerade noch 7,5 Milliarden übrig. Seit langem fordert deshalb die FDIC-Präsidentin Sheila Bair höherer Beiträge, schließlich wird die FDIC-Problemliste immer länger, womit die Pleite der Einlagensicherung droht. Im vergangenen August hatte die Behörde eingeräumt, dass sie schon 416 Banken mit Vermögenswerten von knapp 300 Milliarden Dollar als problematisch einstufte.

So wird klar, dass das Bankensterben alles andere als unbedeutend ist. Und längst sind nicht nur kleine Regionalbanken von der Pleitewelle betroffen. So traf es im August die Colonial Bank. Mit einer Bilanzsumme von 25 Milliarden Dollar ist sie das größte in diesem Jahr zahlungsunfähig gewordene Institut. Ohnehin darf nicht vergessen werden, dass die größte US-Bank, die Bank of America (BofA), und die einst weltgrößte Citigroup längst pleite wären, wenn sie nicht teilverstaatlicht worden wären. Da sind natürlich auch die großen verstaatlichten Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac zu nennen. Nachdem der Staat schon fast 100 Milliarden zugebuttert hat, wird es dabei nicht bleiben.

Auch mit dem anhaltenden Doping durch die Notenbank (FED) – das den Dollar weiter schwächt – konnten die beiden Riesenbanken BofA und Citi bisher nicht wieder fit gemacht werden. Nach angeblichen Gewinnen, die sie zwischenzeitlich schon erzielt haben wollten, meldete die BofA im dritten Quartal erneut Verluste in einer Gesamthöhe von einer Milliarde Dollar. Ähnlich mies fällt die Bilanz der Citigroup aus, die operative Verluste von fast 530 Millionen Dollar ausweisen musste. Beide haben enorme Probleme mit dem Privatkundengeschäft, weil die weiter steigende Arbeitslosigkeit auch die Kreditausfälle steigen lässt. Im September war die Quote mit 9,8 % auf den höchsten Stand seit mehr als 26 Jahren geklettert und alle erwarten, dass die Arbeitslosigkeit auch im Oktober weiter gestiegen ist. So erklären sich eben viele Bankenpleiten, denn im gar nicht stressigen Bankenstresstest war im vermeintlichen "Worst-Case-Szenario" angenommen worden, dass die Quote auf maximal 8,9 % steigen werde.

Auf die Citigroup kommt zudem ein neues Milliardenloch zu. Schließlich ist die Bank der größte Kreditgeber der Capmark Financial Group. Der große Finanzierer von Gewerbeimmobilien musste am Sonntag Gläubigerschutz beantragen. Die Verbindlichkeiten werden mit 21 Milliarden Dollar angegeben, dem gegenüber stünden Vermögenswerte, die angeblich noch gut 20 Milliarden wert sein sollen. Capmark soll bei der Citi mit 4,6 Milliarden Dollar in der Kreide stehen. Danach komme als zweitgrößter Geldgeber die Deutsche Bank Trust, die 1,8 Milliarden an Capmark verliehen haben soll.

Nun wiederholt sich bei den Gewerbeimmobilien offensichtlich das, was zuvor bei den privaten Immobilien zu beobachten war. Damit ergeben sich erneut enorme Risiken für Amerikas Wirtschaft und das globale Finanzsystem. Der Hedgefonds-Manager George Soros hatte die Entwicklung vorhergesagt. Er formulierte schon im Mai seine Angst, das gesamte Bankensystem könnte längst insolvent sein: "Was mit den Wohnimmobilien anfing, geht jetzt bei den Gewerbeimmobilien weiter", sagte er.

Capmarks steht auch nicht mehr allein. Insolvenzen auf dem Markt für Gewerbeimmobilien häufen sich. Schon im April hatte der zweitgrößte Eigentümer von Einkaufszentren, General Growth, Gläubigerschutz beantragt, was als Warnsignal gewertet wurde. Erwartet wird nun eine große Pleitewelle in diesem Sektor. Denn alle, die stark in Gewerbeimmobilien engagiert sind, leiden darunter, dass auch die Preise für diese Immobilien stark gefallen sind. Seit Oktober 2007 seien die Preise durchschnittlich um 41 % eingebrochen, ermittelte eine Studie der Ratingagentur Moody's.

Was zuvor den Häuslekäufern passierte, sucht jetzt die Gewerbeimmobilienfinanzierer heim. Wegen Rekorden beim Leerstand von Büros, Einkaufszentren und Hotels können deren Eigentümer ihre Schulden oft nicht mehr zurückzahlen. So kommen die Finanzierer in Schwierigkeiten. Wegen der gefallenen Immobilienpreise verfügen sie nun nicht mehr über ausreichende Sicherheiten für die von ihnen vergebenen Kredite, weshalb sie sich kaum noch über die Kapitalmärkte refinanzieren können.