Das deutsche Vorbild

Andere Länder könnten sich an Deutschland ein Beispiel nehmen und demnächst ebenfalls im großen Maßstab die besonders klimaschädliche Braunkohle abbauen.

Braunkohle ist so ziemlich der schlechteste Brennstoff, den es aus Sicht des Klimaschutzes gibt. Ihr Heizwert ist gering und entsprechend schlecht sind die spezifischen Emissionen. Für jede Kilowattstunde elektrischer Energie wird in einem herkömmlichen Braunkohlekraftwerk wie etwa in Jänschwalde in Brandenburg (Betreiber Vattenfall) oder Neurath im Rheinland (RWE) 1,15 Kilogramm CO2 ausgestoßen. Selbst in einem Steinkohlekraftwerk sind es rund 200 Gramm weniger. Ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk, kurz GuD, kommt übrigens mit 428 Gramm aus. Gas ist also - aber das nur am Rande - unter den fossilen Energieträgern der einäuige König.

Aber hier sollte es um die Kohle gehen. Die Braunkohle hat zwar aus Umweltsicht manchen Nachteil, aber ökonomisch hat sie einige wesentliche Vorteile. Sie ist im Tagebau zu erschließen und daher wesentlich günstiger. Und sie ist noch reichlich vorhanden, während die beste Kohle, Anthrazit, langsam rar wird. Bisher ist Deutschland weltweit der größte Verbraucher von Braunkohle, aber das könnte sich ändern. RWE interessiert sich zum Beispiel für den Aufschluss eines Tagebaus im dicht besiedelten Bangladesh, dem einige zehntausend Menschen weichen müssten.

Auch auf Borneo gibt es große Lagerstätten, und zwar im Kalimantan genannten indonesischen Teil der Heimat der Orang Utans. Auf einer Fläche von 350 Quadratkilometern könnten dort 2,8 Milliarden Tonnen Kohle abgebaut werden. Verbrennt man diese, käme ein Vielfaches der deutschen Jahresemissionen heraus, und das ist nicht wenig. Deutschland gehört immer noch mit seinen rund elf Tonnen pro Kopf und Jahr an CO2-Emissionen zu den größten Klimasündern (für ganz Genaue: Gemeint sind hier CO2-Äquivalente, ein Wert, der auch die übrigen Treibhausgase beinhaltet).

Zum Glück hat Indonesien eine ausufernde Bürokratie, mit der britische Interessenten an dem Tagebau derzeit zu kämpfen haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Der britische Rohstoffkonzern Churchill Mining Plc streitet sich mit einem indonesischen Unternehmen um die Rechte, und die dortigen Behörden mögen offensichtlich alte Lizenzen nicht recht anerkennen. Bleibt zu hoffen, dass sich der Disput noch ein paar Jahre hinzieht, bis die Nachfrage nach der Kohle zurückgeht. Aber das ist natürlich nur wishful thinking, denn dann müsste sich der Ausbau der Erneuerbaren noch einmal erheblich beschleunigen.