Das griechische Lampedusa

Die griechische Küstenwache fing ein Boot mit syrischen Flüchtlingen ein, beim Zurückschleppen in die Türkei kenterte es, neun Kinder und drei Frauen ertranken

Lange wurde in das Thema der syrischen Flüchtlinge und deren Schicksal in den internationalen Medien eher totgeschwiegen, nun ist es wieder aktuell. Nur anderthalb Seemeilen vor der griechischen Insel Farmakonisi hatte die griechische Küstenwache am Montag ein Boot mit syrischen Flüchtlingen aufgebracht. Das kaum seetüchtige Wasserfahrzeug wurde ins Schlepptau genommen und mit vollem Tempo zurück in Richtung Türkei gezogen. Bei dieser mit hohem Seegang stattfindenden Aktion kenterte das Flüchtlingsboot und die Insassen landeten im Wasser.

Wie sich das gesamte Drama nahe der östlich von Lipsos, Leros und Kalymnos gelegenen Insel abgespielt hat, ist noch umstritteen. Fakt ist, dass neun Kinder und drei Frauen ertranken. Ebenso unbestritten ist, dass das Flüchtlingskommissariat UNHCR im Nachhinein eine Untersuchung fordert.

Aber weder dem UNHCR noch der EU können die Praktiken der Grenzsicherung an der griechisch-türkischen Grenze entgangen sein. Schließlich ist seit längerer Zeit bekannt, dass die EU-Grenzschutztruppe Frontex zusammen mit der griechischen Küstenwache Eindringlinge ohne Befragung eines eventuellen Asylgrunds schlicht wieder in türkisches Hoheitsgebiet zurückdrängt. Diese hinsichtlich des Menschenrechts auf Asyl durchaus fragwürdige Praxis wird mit allerlei juristischen Klimmzügen gerechtfertigt.

Bei dem, was nach Aussagen der überlebenden Flüchtlinge nun vor Farmakonisi stattfand, fehlt für den gesunden Menschenverstand jedoch jegliche Legitimation. Die Küstenwachtoffiziere hätten, behaupten die Überlebenden unisono, selbst im Wasser ums Überleben ringende Kinder mit Gewalt daran gehindert, sich an Treibholz festzuklammern. Schlimmer noch, das eigentliche Kentern des Bootes sei, behaupten die Syrer, seitens der Grenzschützer mit Fußtritten beschleunigt worden.

Demgegenüber spielt das neben dem Bürgerschutzministerium zuständige griechische Handelsmarineministerium die Sache herunter. Glaubt man Minister Varvitsiotis, dann hat die Küstenwache alles in ihrer Macht stehende unternommen, um die Flüchtlinge zu retten.

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