Das mysteriöse Thüringer Trio und der Verfassungsschutz

Im Fall der mutmaßlichen Mörder und Bankräuber Uwe B., Uwe M. und Beate Z. ist Vieles rätselhaft

Am 4. November fand die Polizei in einem Wohnmobil in Stregda bei Eisenach die Leichen von Uwe B. und Uwe M. "Vermutlich", so die Erfurter Sonderkommission Capron, hätten sich die beiden selbst erschossen. In dem brennenden Kraftfahrzeug fand man unter anderem die Dienstpistole der aus Thüringen stammenden Polizistin Michèle Kiesewetter. Nach deren Erschießung hatten die Behörden zwei Jahren lang mit einem angeblichen Genbeweis nach einem Phantom gefahndet, das sich 2009 als erkältete Mitarbeiterin eines Wattestäbchenherstellers entpuppte. In dem Campingwagen oder in einer ebenfalls in Brand gesteckten Wohnung in Zwickau, in der die zwei Männer zusammen mit ihrer mutmaßlichen Komplizin Beate Z. hausten, entdeckte die Polizei auch andere bei ihrer Tötung entwendete Gegenstände.

Der Fall Kiesewetter wird durch die Funde in Eisenach und Zwickau allerdings nicht wirklich klarer, sondern eher noch mysteriöser. Gestern kam nämlich heraus, dass sich unter den gefundenen Waffen auch jene Česká-Pistole befindet, mit der zwischen 2000 und 2006 die so genannten "Döner-Morde" an neun Imbissbuden- und Ladenbetreibern verübt wurden. Anhand von DVDs einer Organisation namens "National-Sozialistischer Untergrund" (NSU), die angeblich Täterwissen enthalten, ermittelt die Bundesanwaltschaft in Richtung rechtsextremer Motive. Darüber, was Uwe B. und Uwe M. dazu bewegt haben könnte, sich nach dem erfolgreichen Banküberfall selbst zu töten, lässt sich bislang nur spekulieren. Beate Z., die mutmaßlich die gemeinsame Wohnung und eine größere Menge geraubten Geldes anzündete, schweigt angeblich - obwohl sie sich der Polizei am 8. November selbst stellte. Hinzu kommt, dass das aus Jena stammende Trio die letzten 13 Jahre unter falschen Identitäten lebte, nachdem ihm zugeordnete Sprengkörper gefunden wurden.

In einigen Medien wird kolportiert, dass die Drei in dieser Zeit von Banküberfällen lebten – in anderen spekuliert man dagegen über alternative Erwerbs- und Dokumentbeschaffungsquellen. Mittlerweile verlautbarte der Thüringer Verfassungsschutz, keine der drei Personen habe zu seinen V-Leuten gehört. Allerdings hatte er dies schon bei Timo B. beteuert, dem ehemaligen Kopf der rechtsextremen Gruppe Thüringer Heimatschutz, der das Trio angeblich angehörte und die 1998 im Fokus der damaligen Sprengstoffermittlungen stand. Am 12. Mai 2001 enthüllte die Thüringer Allgemeine jedoch, dass das örtliche Landesamt für Verfassungsschutz B. seit 1994 unter dem Decknamen "Otto" als Spitzel eingesetzt hatte, was der Betreffende nach anfänglichen Dementis aller Beteiligten schließlich zugab. Für seine Tätigkeit hatte er insgesamt mehr als 200.000 DM bekommen. Im Jahr vorher war der Neonazi-Führer Thomas Dienel als V-Mann enttarnt worden, worauf hin Behördenchef Thomas Sippel der Öffentlichkeit zugesichert hatte, dass so etwas nicht mehr vorkommen würde.