"Der Aufenthalt in einem Krankenhaus ist so riskant wie Bungee-Springen"

Nach einer Studie ziehen sich in britischen Krankenhäusern jährlich fast eine Million Patienten zusätzliche Schäden zu, bei 90.000 tragen die oft vermeidbaren Riskiken zum Tod bei.

Patienten in britischen Krankenhäusern – aber sicherlich nicht nur dort – leben gefährlich. Nach einem Bericht von Wissenschaftlern der University of York ziehen sich 10 Prozent der Patienten in den Krankenhäusern des öffentlichen Gesundheitssystem NHS durch mangelhafte Behandlung und Risiken zusätzliche Erkrankungen oder Schäden zu. Der Aufenthalt in Krankenhäusern dient damit nicht notwendig der Heilung, sondern gefährdet auch die Gesundheit.

Jährlich sterben 90.000 Menschen in den Krankhäusern aufgrund von Fehlern und Schlampereien, fast eine Million erleiden negative Folgen. Zumindest die Hälfte dieser Fehler bei der Operation oder der Diagnose und von Vorfällen wie Stürzen, Infektionen oder anderen Komplikationen, so die Wissenschaftler in ihrem Artikel in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Quality and Safety in Health Care, sei vermeidbar.

Für ihre Studie hatten sie die Krankenakten von tausend zufällig ausgewählten Patienten, die im ersten Halbjahr 2004 in ein großes Lehrkrankenhauses aufgenommen wurden, ausgewertet. Sie gehen davon aus, dass die Ergebnisse auch für andere Krankenhäuser zutreffen werden. Mit einer Skala aus sechs Punkten bewerteten die Wissenschaftler, in welchem Maß ein Vorfall direkt zu einer Schädigung führte und mit welcher Wahrscheinlichkeit dies im Hinblick auf acht Klassifikationen von der Chirurgie oder Orthopädie über Allgemeinmedizin oder der Behandlung von Alten bis hin zur Krebstherapie vermeidbar gewesen wäre.

Am schlimmsten seien Patienten dran, die operiert werden. Allerdings seien hier die Probleme am wenigsten vorhersehbar. Am häufigsten kommen Infektionen, post-operative Infektionen und andere Komplikationen bei der Operation vor. Dann folgen falsche oder zu spät erfolgte Diagnosen, Druckgeschwüre, Probleme durch die Medikamentierung und Stürze. 15 Prozent der negativen Vorfälle haben die Patienten für ein halbes Jahr oder mehr in ihrem Leben beeinträchtigt oder vorübergehend behindert, 10 Prozent verursachten eine permanente Behinderung und weitere 10 Prozent trugen zum Tod des Patienten bei. Peter Walsh von der Stiftung Action against Medical Accidents geht davon aus, dass die wirklichen Zahlen noch höher liegen.

Prof Tervor Sheldon, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde, greift angesichts der Ergebnisse zu einem drastischen Vergleich: "Das ist nicht nur NHS spezifisch, sondern das findet man in vielen Gesundheitssystem auf der ganzen Welt. Der Aufenthalt in einem Krankenhaus ist so riskant wie Bungee-Springen, dem sich aber weniger Menschen aussetzen." (fr)

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