Der Blankoscheck ist ausgestellt

Großbritannien läßt ein neues Atomkraftwerk bauen - koste es, was es wolle

Die Regierung Großbritanniens hat jetzt die Vereinbarung zum Bau eines neuen Kernkraftwerks durch Électricité de France (EdF) unterschrieben. Kernpunkt war dabei die Festlegung der Förderung, die EdF und seine Partner erhalten. Denn alleine über den Strompreis am Markt mochte im Vorfeld kein Energiekonzern den Bauauftrag übernehmen. Neben EdF, mit rund 50 Prozent, sind noch Kraftwerksbauer Areva mit 10 Prozent und zwei chinesische Atomunternehmen mit zusammen 40 Prozent beteiligt, weitere Partner werden noch gesucht.

Entstehen sollen die zwei neue Reaktoren im südwestenglischen Hinkley Point bei Bridgwater/Somerset. Die britische Regierung sichert vertraglich Kreditgarantien in Höhe von 65 Prozent der Baukosten zu. Im Moment werden noch 16 Mrd. Pfund (18,9 Mrd Euro) Baukosten angegeben. Ein Blick nach Finnland, zur AKW-Baustelle Olkiluoto, lässt ahnen, dass es dabei wohl nicht bleiben wird und die Kosten am Ende voraussichtlich auch in Großbritannien sehr viel höher liegen werden.

Deswegen wurde eine zweite Subventionsebene eingebaut: Der Anlagenbetreiber bekommt für den Atomstrom 35 Jahre lang eine garantierte Einspeisevergütung von 92,50 Pfund (109,21 Euro€) je Megawattstunde. Das sind rund 11 Cent pro KWh. Zum Vergleich: Die Börsenstrompreise liegen bei uns im Moment etwas unter 4 Cent/kWh, Tendenz fallend.

Zuletzt war in Großbritannien 1995 mit Sizewell B an der englischen Ostküste ein Atomkraftwerk in Betrieb gegangen. Die beiden neuen AKW-Blöcke sollen in zehn Jahren ans Netz gehen. Premierminister David Cameron verteidigte den horrend teuren Neubau auf Staatskosten. Das AKW sei für die Stromversorgung im Land notwendig und durch den Bau würden 25.000 neue Jobs geschaffen. EdF relativierte diese Fantasiezahlen bereits und spricht auf seiner Recruiting-Plattform von 5.000 Jobs während der Bauphase. Danach werden sie dann nicht mehr gebraucht. Am bestehenden Alt-Standort Hinkley Point wurde von EdF gerade ein Fünftel der 750 Mitarbeiter entlassen.

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