Der CO2-Emissionshandel ist tot

Spekulanten halten nur in Europa Restlebensfunktionen aufrecht

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Der Handel mit Emissionsrechten an echten Börsenplätzen ist de facto beendet. An der Chicago Climate Exchange (CCX) ist das Handelsvolumen mit Verschmutzungsrechten auf annähernd Null ( Graphik). An der Energiebörse in Leipzig (EEX) wird noch eine Art Basishandel aufrechterhalten. Allerdings handelt es sich dabei im wesentlichen um das Bewegen der an die Verursacher verschenkten CO2-Zertifikate. Die Zertifikate sind, einmal im Handel, nicht an konkrete Anlagen gebunden, so dass auch kein Zusammenhang mehr besteht mit tatsächlichen Anlagenmodernisierungen. Ursprünglich sollte der CO2-Handel Energiekonzerne und energieinstensive Unternehmen dazu bewegen ihre Anlagen effizienter zu machen, als Anreiz sollten sie mit Verkauf der "vermiedenen" CO2-Emissionen Geld verdienen können.

Die Markteuphorie der 90er hat sich mittlerweile gründlich gelegt. Dennoch erlauben die bürokratischen Abläufe des einmal eingeführten CO2-Handels jetzt Trittbrettfahrern gute Geschäfte.

- Die EEX selbst möchte ihn aufrecht erhalten, weil sie allein als Veranstalterin gut verdient. Denn Unternehmen werden über die DEHST (im Auftrag der Politik) zum Emissionshandel verpflichtet. Die EEX stellte folgerichtig zum 1. Januar 2011 ihr neues Preisverzeichnis vor, nach dem jeder Handelsteilnehmer 25.000 Euro/Jahr Grundgebühr zu zahlen hat.

- Die DEHST ihrerseits (eine Abteilung des Umweltbundesamtes) mußte wieder einmal vor dem Mißbrauch der verwalteten Adressdaten warnen. Diesmal war es eine Phising-Kampagne bei der die Inhaber von CO2-Registerkonten per Anschreiben mit Briefkopf eines "European Climate Registry" und unter Brüsseler Adresse aufgefordert wurden ihr Konto über ein Internetportal zu "validieren". Das Unternehmen verlangt rund 1.500 Euro für diesen wertlosen Eintrag. Der Emissionshandel, der einstmals antrat die Welt vor der Klimakatastrophe zu retten ist damit auf dem Niveau von Postwurfssendungen angelangt.

- Bereits Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass der europäische Emissionshandel im großen Stil auch für Karussellgeschäfte zum Mehrwertsteuerbetrug genutzt wird. Europol hatte darauf hingewiesen, dass die EU-Staaten dadurch bereits 5 Mrd. Euro draufzahlten. Das Prinzip: Bei Verkaufsaktionen von CO2-Zertifikaten lassen sich die Händler vom Fiskus tatsächlich nicht abgeführte Mehrwertsteuer "erstatten". In einigen Staaten seien bis zu 90% des gesamten CO2-Handels nur getätigt worden, um an diese Steuergelder zu kommen.

- Und die Bundesrepublik wird jetzt auch direkt für ihre Organisation des CO2-Handels verklagt. Der Papierproduzent Drewsen aus Celle will von der Bundesrepublik Deutschland 1,1 Mio. Euro Schadenersatz. Als einer von vielen Geschädigten wirft er der DEHST unzureichende Sicherheitsstandards vor. Am 28. Januar waren mit den öffentlich einsehbaren Adressdaten 88.0000 Emissionszertifikate gestohlen worden, die jetzt für die Geschäftsmodelle an der EEX eingesetzt werden können. Geschäftsführer Thomas Katzenmayer: "Hätte die DEHSt den für jede Sparkasse üblichen Standard eingehalten, hätten wir die Zertifikate noch".

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