Der Energiefachmann

Des Bundespräsidenten lustige Ein- und Ausfälle zur Energiewende

Dass der Bundespräsident als evangelischer Theologe auch Islamfachmann ist, kann man ja vielleicht noch irgendwie nachvollziehen. Schließlich haben sich Westeuropas christliche Kirchen seit dem Mittelalter - sei es in Konstantinopel, in Jerusalem, Münster oder auch anderswo - stets um den konstruktiven Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften bemüht. Doch nun verspürte Joachim Gauck den Drang, sich auch einmal zur Energiewende zu äußern. Heraus kam dabei ähnlich Gescheites wie seine Einlassungen zum Islam.

"Es wird uns nicht gelingen, allein mit planwirtschaftlichen Verordnungen", zitiert ihn DPA. Nun dürfen wir also rätseln, welche "planwirtschaftlichen Verordnungen" unser neues Staatsoberhaupt denn wohl gemeint haben könnte. Das Erneuerbare Energiengesetz, an dem sich die FDP gerade abarbeitet, doch wohl eher nicht, oder? Das basiert nämlich ganz und gar auf der Idee, dass der Ausbau möglichst marktwirtschaftlich organisiert werden soll, und bietet dafür einen festen und vorteilhaften Rahmen. Aber das Gegenteil, welches von den Liberalen seit Neuestem verlangt wird, nämlich feste Quoten, kann auch nicht recht gemeint gewesen sein, denn schließlich pustete Gauck doch nur in das Horn, das ihm die Minister der Pünktchen-Partei hingehalten hatten.

Aber die Erklärung ist wohl eher, dass es darum ging, dieses Reflexwort "Planwirtschaft" irgendwie unterzubringen. Wörter dieser Art - "Radikaler", "Extremist", "Fundamentalist", "sozialistische Wirtschaft" wären andere Beispiele - signalisieren dem Publikum, dass es nicht weiter nachzudenken braucht, weil nämlich das Böse nunmehr für alle sichtbar markiert ist. In diesem Falle ging es genau genommen um eine Vorstufe des Verfahrens, nämlich dem Leser oder Zuhörer eine bisher beliebte Sache madig zu machen. Und das geht, versierte Rhetoriker wissen das, allemal besser als mit Sachargumenten mit dem Aufkleben eines negativen Etiketts.

Denkt man indes über inhaltliche Bedeutung von Vorwurf und Begriff ein wenig nach, wird deren ganze Unsinnigkeit schnell deutlich. Denn natürlich wird in der Wirtschaft überall und ständig geplant. Der Kioskbesitzer von nebenan muss sich genauso wie die Eckkneipiers oder die Verwaltung einer Autofabrik ununterbrochen Gedanken über Bedarf, Bestellungen, Lieferzeiten und ähnliches machen. Insbesondere gilt das natürlich für eine Branche wie die Stromproduktion, denn die hat es bekanntlich mit einer Ware zu tun, die sich nicht lagern lässt. Bei ihr also vor Planwirtschaft zu warnen, zumal wo ihr Umbau auf der Tagesordnung steht, ist in etwa so geistreich, wie einem Heuschnupfenkandiadten als Abhilfe zu empfehlen, im Frühjahr vorübergehend das Atmen einzustellen.

Kommentare lesen (63 Beiträge)
Anzeige