Der König und die Wespenfrau

Die CIA arrangierte ein Königskind

Der amerikanische Geheimdienst ist für viele schmutzige Tricks bekannt, ausgerechnet die sexuelle Verführung allerdings gehörte nach Stand der Forschung nie zum Repertoire der CIA (Die Honigfalle - Spione in Spitzenhöschen). Zumindest aber beschafften die amerikanischen Schattenmänner durchaus Schattenmädchen, wenn es der Beziehungspflege zu ausländischen Machthabern diente. Der vermutlich skurrilste Fall dieser Art wurde nun durch jüngste Freigaben aus den Kennedy-Akten dokumentiert (Feuerwerk auf der Dealey Plaza, JFK-Akten bleiben geheimnisvoll).

Dem nun veröffentlichen Geheimdokument zufolge hatte sich 1959 ein ausländisches Staatsoberhaupt für einen Besuch in Kalifornien angesagt und um adäquate feminine Begleitung gebeten. Zur Gewährleistung der Diskretion beauftragte die CIA mit der delikaten Mission nicht etwa einen gewöhnlicher Zuhälter, sondern ihren Agenten für "unmögliche Aufträge": Robert Maheu firmierte offiziell als Privatdetektiv, arbeitete jedoch im Wesentlichen heimlich für die CIA, die offiziell nicht im Inland operieren durfte. So hielt er für die CIA Verbindungen zur Unterwelt sowie zum exzentrischen Milliardär Howard Hughes.

Der Jurist hatte während des Zweiten Weltkriegs im FBI bei der Gegenspionage gearbeitet. Seine Spezialität waren Desinformation und andere schmutzige Tricks. Etwa um den indonesischen Präsident Sukarno in Misskredit zu bringen, streute die CIA einst Gerüchte, dieser werde vom KGB wegen einer Affäre mit einer Stewardess erpresst. Hierzu produzierte Maheu einen mit vermeintlich versteckter Kamera aufgenommenen Film, der Sukarno beim Verkehr mit einer Blondine zeigen sollte. Der Sukarno-Darsteller trug hierzu eine elastische Maske, wie man sie später in der TV-Serie "Mission Impossible" sehen konnte – Maheu gilt als Inspiration für die Figur des Jim Phelps, der heikle Regierungsaufträge übernimmt, die plausibel abstreitbar sein sollen.

Bei dem in den Akten nicht identifizierten Besucher handelte es sich zweifellos um den jordanischen König Hussein I., der mit den USA über eine langfristige Partnerschaft verhandelte. Der Monarch, der über eine englische Schulbildung verfügte und 1954 den Thron bestieg, war ein Gegner des arabischen Nationalismus. Im damals von Jordanien beanspruchten Jerusalem war er 1951 Zeuge des Mordanschlags auf seinen Großvater gewesen, der als direkter Nachkomme des Propheten Mohammeds galt. Der CIA lag viel darin, die prowestliche Haltung des Königs zu erhalten.

Maheu arrangierte für den Staatsgast eine Party im Haus des Ölbarons Edwin Pauley, einem Geschäftspartner von Howard Hughes und George H.W. Bush, und mietete für den Gast als Liebesnest ein Haus in Long Beach. Feminines Personal organisierte Maheu über einen Anwalt aus Hollywood, der offenbar ein gutes Händchen für Besetzungen hatte. So fragte man die attraktive Filmschauspielerin Susan Cabot.

Sinnigerweise hatte Cabot einst mit Tony Curtis einen Film Der Sohn des Ali Baba gedreht. Spätere hatte sie jedoch nur kleinere Rollen in zweiklassigen Western. In ihrem aktuellen und letzten Streifen Die Wespenfrau, einem Abklatsch des Vorjahrserfolgs "Die Fliege", war Cabot mit der Hauptrolle besetzt worden. Als man der 32jährigen antrug, mit dem Gast das Bett zu teilen, lehnte die Schauspielerin ab – erschien dann aber doch auf der Party.

Zur Freude der Geheimdienste funkte es sofort zwischen beiden. Das von der CIA arrangierte Paar verstand sich so gut, dass sich aus der staatsgeheimen Affäre von 1959 schließlich eine Beziehung entwickelte. Trotz der Geheimhaltung sickerten Gerüchte durch. 1964 gebahr Cabot einen Sohn, für den der königliche Hof monatliche Alimente in Höhe von 1.500,- $ zahlte. Die Dauer der Beziehung ist unbekannt, sie endete jedoch, als der muslimische König von der jüdischen Herkunft der Frau erfuhr, die in Wirklichkeit Harriet Shapiro hieß. Als der König Cabot 1969 in New York sprechen wollte, checkte sie die CIA unter falschem Namen in einem Hotel ein.

Cabot heiratete 1968 einen Schauspielkollegen. Ihr weiteres Schicksal ähnelte jedoch eher ihren Horrorfilmen. So litt die einstige Schauspielerin an Depressionen. Ihren Sohn ließ sie wegen geringer Größe mit Drogen behandeln, die angeblich aggressive Nebenwirkungen hatten. Während eines Handgemenges zwischen der geisteskranken Mutter und ihrem aggressiven Sohn erschlug dieser sie 1986 mit einer Hantelstange.

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