Der Papst lehrt die Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter

Das Internet gilt Benedikt als Propagandamittel, er warnt vor dem Spiel mit Identitäten und fordert das authentische Profil

Großes hat sich Papst Benedikt für eine Botschaft zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel vorgenommen. Er sprach über "Wahrheit, Verkündigung und Authentizität des Lebens im digitalen Zeitalter", was viel versprechend klingt.

Benedikt, der auch schon mal zur Missionierung im Internet aufgefordert hat, vergleicht die Kommunikationsrevolution durch das Internet und die sozialen Netzwerke in der Kommunikation mit der industriellen Revolution in der Produktion. Vieles werde neu gestaltet, aber man müsse die neuen Mittel vernünftig nutzen, um so "das Verlangen nach Sinn, nach Wahrheit und nach Einheit zu stillen".

Erweitert würden die Möglichkeiten des Miteinander-Kommunizierens, aber Benedikt warnt vor einer "einseitigen Interaktion", die ausgerechnet darin zu bestehen scheint, seinen "Freunden", den sozialen Netzwerken und der gesamten Öffentlichkeit nicht alles zu offenbaren, sondern, was er, aus welchem Grund auch immer, für die digitale Kommunikation als typisch ansieht, "das eigene Innenleben nur zum Teil mitzuteilen". Das haben die Menschen im vordigitalen Zeitalter zwar auch schon gemacht, und sie haben natürlich auch immer mit ihrer Selbstdarstellung nach Außen gespielt, weswegen die Kritik am Schein nicht gerade erst mit der digitalen Kommunikation beginnt. Benedikt wittert aber gerade hier "die Gefahr, irgendwie das eigene Image konstruieren zu wollen, was zur Selbstgefälligkeit verleiten kann". Man hat den Eindruck, dass die Kirche in Vertretung des Papstes ihre Botschaft zu verbreiten sucht, ohne sich auf die Sache einzulassen, man nimmt nur die neue Begrifflichkeit auf, um sich anzupassen und als zukunftsfähig zu erweisen.

Nun werden ja nicht nur in der katholischen Kirche auch Rituale in Verkleidungen inszeniert, sondern es große Teile des prä- und postdigitalen Lebens bestehen aus Aufführungen und Selbststilisierungen, aus dem Spielen von Rollen oder wie man es immer nennen will. Authentizität, was Benedikt der Schaffung des "eigenen 'künstlichen' Profils" entgegensetzt, ist eigentlich erst eine bürgerliche Forderung nach ungeschminkter Identität, was eigentlich auch den Zwang bedeutet, nicht mehr spielen zu dürfen.

Letztlich kann Benedikt – bzw. der Vatikan – nicht mehr hinter das Internet zurück. Man müsse die Möglichkeiten nützen, aber "der Nächste" bleibt eben doch der räumlich Nächste: "Es ist wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass der virtuelle Kontakt den direkten persönlichen Kontakt mit den Menschen auf allen Ebenen unseres Lebens nicht ersetzen kann und darf."

Und wie nutzt der katholische Christ das Internet? Es gibt für den Papst sogar "christlichen Stil der Präsenz in der digitalen Welt". Der Christ sei nicht nur offen, ehrlich und verantwortungsvoll "im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil", sondern er würde auch nach dem Evangelium handeln. Und auch hier ist Benedikt gleich wieder im realen Raum: "Auch wenn die Wahrheit des Evangeliums im virtuellen Raum des Internet verkündet wird, muss sie immer in der wirklichen Welt und in Beziehung zu den konkreten Gesichtern der Brüder und Schwestern, mit denen wir das tägliche Leben teilen, Gestalt annehmen. Deshalb bleiben in der Weitergabe des Glaubens die direkten menschlichen Beziehungen immer fundamental!"

Das heißt also letztlich, das Internet ist Propagandawerkzeug für die Kirche, die sich offenbar selbst nicht verändern soll und darf, auch wenn die Kommunikationsmöglichkeiten und die Beziehungen der Menschen sich verändern.

Anzeige