Der Rubel auf Talfahrt

Die russische Zentralbank hat die Leitzinsen erhöht, um den schwachen Rubel zu stärken, der die Inflation und damit die Preise für die Bürger in die Höhe treibt.

Die russische Währung hat ein Rekordtief erreicht. Nach einem kurzzeitigen Anstieg der Kurse waren zuvor Hoffnungen aufgekeimt, dass ein Ende des drastischen Währungsverfalls möglich sei. Doch weil der Rubel weiter nach unten rollte, zog Notenbank nun die Reißleine. Sie hat den Leitzins um ein Prozent auf jetzt zehn Prozent erhöht, um der Abwertung zu begegnen.

Die russische Währung ist an einen Korb gekoppelt, der zu 55 Prozent aus Dollar und zu 45 Prozent aus Euro besteht. Bei 41 Rubel zum Währungskorb wollten die Zentralbanker die geduldete Abwertung beenden. Doch in der vergangenen Woche riss der Kurs diese Schranke bereits. Allein im Januar verlor der Rubel erneut 18 Prozent seines Außenwerts, seit August 2008 sind es sogar 35 Prozent. Die Zentralbank hofft, dass sich langsam ein Gleichgewichtskurs einstellt: "Wir werden nicht viel Blut verspritzen müssen", um den Rubel gegen Spekulanten zu verteidigen, geben sich Notenbanksprecher optimistisch. Experten schließen aber eine Abwertung bis auf 49 Rubel nicht aus. Einflussreiche Hedge-Fonds spekulieren auf einen weiter fallenden Rubel. Jim Rogers warnt sogar davor, Russland drohe zu zerbrechen. Daher erwäge er, auf einen Rubelcrash zu spekulieren. So versucht er andere finanzstarke Fonds ins Boot zu ziehen, um einen für ihn profitablen Crash zu inszenieren.

Dagegen versucht sich die russische Regierung zu stemmen. Einen Kollaps des Rubels wie vor zehn Jahren werde es nicht geben, versprach Präsident Dmitri Medwedew. Der Wert der russischen Währung müsse "effektiv und dem realen Zustand unserer Wirtschaft angemessen" sein, versuchte Medwedew seine Landsleute zu beruhigen. Doch trotz aller Beruhigungen tauschen viele Russen ihre Ersparnisse in Euro und Dollar ein.

Um den Wertverlust zu stoppen, hat die Notenbank hohe Summen an Devisen für Stützungskäufe eingesetzt. Die Währungsreserven der Zentralbank haben sich von etwa 600 Milliarden US-Dollar auf 387 Milliarden (Stand 1. Februar) fast halbiert. Die Konsequenzen für die Bevölkerung sind zum Teil dramatisch. Eine hohe Inflation von 13 Prozent frisst die Einkommen auf und treibt die Preise für Waren aus dem Inland in die Höhe. Die Preise für Importprodukte, darunter auch viele Lebensmittel, stiegen wegen dem Rubelverfall stark an. Nach einer Schätzung der Tageszeitung "Nowyje Iswestija" werden Nahrungsmittel bis zum Jahresende um 45 Prozent teurer.