Der Rubel schmiert weiter ab

Die russische Währung erreicht den tiefsten Stand seit zweieinhalb Monaten

Nach einer Phase der Beruhigung rutscht der Rubel wieder in Richtung Abgrund. Schon im Februar hatte die russische Währung stark an Wert verloren.. Der Rubel gab nach einer Zinssenkung der russischen Zentralbank weiter nach. Sein Kurs zum Währungskorb, der sich zu 55 % aus Dollar und zu 45 % aus dem Euro zusammensetzt, hat 38,38 erreicht und das ist der der tiefste Stand seit zweieinhalb Monaten. Gegenüber dem Dollar liegt der Kurs schon bei 32 Rubel und im Verhältnis zum Euro schon bei etwa 45.

Schon am Mittwoch hatte er die Marke von 44 Rubel für einen Euro überschritten. Durch die erneute Leitzinssenkung der Notenbank kam er weiter unter Druck. Die hat zum vierten Mal in dreieinhalb Monaten den Leitzins gesenkt, er liegt nun 0,5 % niedriger bei 11 %. Die Währungshüter wollen die Kreditvergabe und die Wirtschaft über günstigere Zinsen wieder ankurbeln.

Der Rubel nähert sich also mit großen Schritten einem Kurs von 41 zum Währungskorb, was der Notenbank nicht gefällt. Erst im Juni hatte die russische Zentralbank angekündigt, die nächsten zwei Jahre ihre Valuta-Interventionen langsam einzustellen, weil sie den Rubel-Kurs dem freien Spiel der Marktkräfte überlassen wollte. Daraus wird nun aber wohl nichts. Zentralbank-Chef Sergej Ignatjew hatte auch gesagt, man wolle wieder mit Stützungskäufen eingreifen, wenn der Rubel an die Marke 41 gerät.

Doch die Stützungskäufe, für die Russland schon einen guten Teil seiner ehemaligen Haushaltsüberschüsse verschlissen hat, konnten die Währung nicht stabilisieren. Inzwischen ist die Wirtschaft derart in die Talfahrt über gegangen, dass das Land sogar schon wieder Kredite aufnehmen muss , obwohl der Ölpreis sogar wieder gestiegen ist. Gerade während des G8-Gipfels sieht die russische Regierung diese Entwicklung überhaupt nicht gern. Schließlich nutzte sie den Gipfel, um zum Angriff auf den Dollar als Leitwährung zu blasen, und will auch den Rubel in den Rang einer Leitwährung heben. Sogar Frankreich hatte eine gewisse Zustimmung signalisiert, wenngleich Bundeskanzlerin Merkel sich in die US-Abwehrfront eingereiht hat. Sie befürwortete zwar die Forderungen, den erlauchten Club um Schwellenländer zu erweitern, den Vorschlag, den US-Dollar als internationale Leitwährung zu ersetzen, lehnte sie allerdings in L'Aquila ab.