Der Vulkan und das Klima

Globale Abkühlung ist vom Eyjafjöll-Vulkan nicht zu erwarten

Kann der Ausbruch des Eyjafjalla-Vulkans auf Island das globale Klima beeinflussen, wie am Wochenende einige Medien mutmaßten? Wohl eher nicht. Die Aschewolke hat bisher nur eine Höhe von acht Kilometern. Das ist für eine globale Beeinflussung des Klimas zu wenig. Die ausgestoßenen Partikel verbleiben in der Troposphäre und werden in den nächsten Wochen durch Regen ausgewaschen werden. Wie schnell dagegen für die europäische Luftfahrt Entwarnung gegeben werden kann hängt vor allem davon ab, wieviel Nachschub der Vulkan liefert und wie lange Wetterlagen anhalten, die seinen Ausstoß über Nord- und Mitteleuropa verteilen.

Um klimawirksam zu werden, müsste der Ausbruch des Eyjafjalla stärker sein und seine Ausgasung bis in die Stratosphäre blasen, die bei etwa zehn Kilometern Höhe beginnt. (Die Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre, die sogenannte Tropopause hängt von Jahreszeit und geografischer Breite ab; in den Tropen ist sie höher, polwärts niedriger.) Dort würden die Partikel sich um den ganzen Globus verteilen können und einige wenige Jahre verbleiben. Der letzte Vulkanausbruch, der nachweislich das globale Klima beeinflusst hat, war jener des Mount Pinatubos auf den nördlichen Philippinen 1991.

Die Philippinen liegen am Rande einer Subduktionszone, an der sich eine Platte der Erdkruste unter eine andere schiebt. Vulkane in derartigen Regionen sind besonders explosiv. Sie speisen sich aus dem abtauchenden Krustenmaterial, das relativ viel Wasser enthält und teilweise aufschmilzt. Ähnliche besonders eruptive Feuerberge gibt es rund um den Pazifik. Dagegen sind die Vulkane Islands eher behäbig. Ihre verheerende Wirkung wurde in historischen Zeiten eher durch giftige Gase wie Fluor verursacht. 1783 verendete zum Beispiel nach dem Ausbruch des Lakis, einer 25 Kilometer langen Bruchzone, fast der gesamte Viehbestands Islands. In der Folge verhungerten 10.000 Menschen, ein Fünftel der damaligen Bevölkerung. Die Staub und Gaswolke wurde seinerzeit auch in Europa beobachtet und hat dort vermutlich zu Missernten geführt, aber global hatte der Ausbruch vermutlich keine Folgen.

Anders der Mount Pinatubo. Er schleuderte seinerzeit 15 bis 30 Millionen Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre wovon ein großer Teil bis in die Stratosphäre gelangte. Dort bildete sich aus dem Gas über den Umweg über die Schwefelsäure Sulfate. Als kleine Partikel reflektieren diese sehr effektiv das Sonnenlicht und kühlten die Erde für ein bis zwei Jahre um einige Zehntel Grad ab, wie man an der globalen Temperaturkurve erahnen kann.

Können also Vulkane die globale Erwärmung aufhalten? Der Eyjafjalla mit Sicherheit nicht, und andere wie der Mount Pinatubo auch nicht, denn ihr Effekt ist zeitlich begrenzt, und die Treibhausgase verbleiben in der Atmosphäre. Da müsste schon alle zwei Jahre ein Pinatubo ausbrechen, aber die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß, dass da denn auch mal ein Tambora dabei ist, der zuletzt 1815 förmlich explodierte und im drauf folgenden Jahr auf der Nordhemisphäre vielerorts die Ernten ausfallen ließ, was zu schweren Hungersnöten führte. Da ist es schon sicherer, den Klimawandel lieber nicht so weit zu treiben, damit die Landwirtschaft ihre Produktivität nicht verliert, und für solche Notzeiten wie 1816, die mit Sicherheit auch wieder kommen werden, ausreichend Vorräte einlagern kann.

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