Der leisere Crash

Statt spektakulärer Kursstürze ging es bislang vor allem an der Frankfurter Börse dauerhaft stark bergab

An der Frankfurter Börse erlebte der Leitindex DAX gestern erneut einen schwarzen Tag. Nach dem schwachen Verlust am Vortag ging der DAX am Mittwoch wieder tief in den Keller. Erneut verlor er 5,13% und somit stand der Index am 11. Tag in Folge im Minus, das zudem nur unwesentlich schwächer als das Minus am Schwarzen Montag ausfiel. Die Verluste in diesen Tagen haben sich nun auf 25% summiert und sie sind nur mit den Einbrüchen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vergleichbar. Noch deutlich schlechter schnitten am Mittwoch allerdings die Börsen in Paris und Mailand ab, die 5,45% respektive 6,65% abstürzten.

Zur Eröffnung steht der DAX heute allerdings wieder etwas besser da. Wie lange dies anhält und ob es nicht doch wieder weiter nach unten geht, lässt sich jetzt noch nicht sagen.

Auch an der Wall Street ging es deutlich bergab. Die Gewinne vom Vortag waren nur ein Strohfeuer als Reaktion auf die Flutung der Geldmärkte durch die Notenbank (FED). Der Dow-Jones-Index ist um 4,2% in die Knie gegangen, verlor die Vortagsgewinne wieder und schloss erneut mit 10.720 deutlich unter der Marke von 11.000 Punkten. An den Börsen in Asien setzt sich der Trend auch am Donnerstag fort.

Allgemein wird erwartet, dass sich die Schuldenkrise in Europa ausweitet und dazu kommt die Angst vor einer Rezession in den USA. Vor allem die Spekulationen darüber, dass nach den USA auch Frankreich die Bestnote der Kreditwürdigkeit "AAA" verlieren könnte, werden für die schlechte Stimmung verantwortlich gemacht. Gemutmaßt wird auch, dass die französische Großbank Société Générale in einer prekären Situation ist. Zwar wurde beides am Mittwoch entschieden dementiert, das änderte aber nichts daran, dass die Aktien der Bank steil abgestürzt sind. Sie hatten zeitweise mehr als 20% an Wert verloren. Die Bank hat die Börsenaufsicht eingeschaltet, um zu prüfen, woher die "haltlosen Gerüchte" kommen.

Doch der Bank kommt offenbar ihr Griechenland-Engagement teuer zu stehen. Finanzminister Evangelios Venizelos hatte zuvor für deutliche Unruhe gesorgt, denn er hatte erklärt, bei der Umschuldung griechischer Staatsanleihen könnten auch Papiere mit einer "etwas längeren" Laufzeit als 2020 getauscht werden. Beim EU-Gipfel hatte man sich vor drei Wochen auf eine freiwillige Umtauschaktion geeinigt, womit ein schwacher Schuldenschnitt einhergeht. Der verbessert die Lage Griechenlands nicht und schafft deshalb auch keine Beruhigung an den Finanzmärkten, weil allen klar sein muss, dass es damit nicht getan ist.

Positiv konnte Italien verbuchen, dass das Land durch die Ausweitung des Sündenfalls – Aufkauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) - nun etwas niedrigere Zinsen bezahlen musste. Das Land konnte Anleihen mit einem Umfang von 6,7 Milliarden Euro absetzen. Die Laufzeit beträgt 12 Monate und der Zinssatz lag bei fast 3%. Das ist weniger als die knapp 3,7%, die bei einer vergleichbaren Versteigerung am 12. Juli geboten werden mussten. 3% hören sich im Vergleich zu Zinssätzen gering an, die auf überzogenen Girokonten bezahlt werden müssen. Doch die Dimension wird im Vergleich zu Deutschland klar, es muss nicht einmal 0,5% Zinsen für Anleihen mit der doppelten Laufzeit von 24 Monaten bieten.

Inzwischen scheint aber am Sekundärmarkt für Staatsanleihen das Aufkaufprogramm der EZB an Effekt zu verlieren. Die Risikoprämie für spanische Anleihen beginnt wieder zu steigen, nachdem sie in den letzten Tagen gefallen war. Noch bleibt sie aber unter 300 Basispunkten und der Zinssatz liegt bei gut 5% also noch deutlich entfernt von den Spitzenwerten von 6,5%, die zuvor erreicht wurden. Da aber offenbar nun sogar Frankreich in den Strudel gezogen wird, dürfte sich die Lage schnell für Spanien und Italien wieder verschlimmern, wenn die EZB nicht sehr massiv und dauerhaft interveniert.

Kommentare lesen (107 Beiträge)
Anzeige