Der männliche Vorgesetzte als größtes Risiko

Sexuelle Übergriffe innerhalb der Armee beunruhigen das Pentagon

Jede dritte Frau in der US-Armee war Opfer von sexuellen Übergriffen, in der zivilen Welt sei jede sechste Frau Opfer solcher Angriffe, berichtet die Huffington Post, die sich dabei auf jüngste Berichte des amerikanischen Verteidigungsministeriums stützt. Eigene statistische Rechnungen mit den Zahlen des Ministeriums hätten ergeben, dass die Wahrscheinlichkeit, mit der eine Soldatin im vergangenen Jahr zum Opfer eines sexuellen Übergriffs seitens eines anderen Armeeangehörigen - "military sexual assault (MSA)" werden konnte, um das 180-fache höher lag als die Wahrscheinlichkeit der letzten elf Jahre, bei Kampfhandlungen in Afghanistan oder Irak ihr Leben zu verlieren.

Im Zeitraum zwischen Anfang Oktober 2010 und Ende September 2011 seien 3.192 solcher sexueller gewaltsamer Übergriffe gemeldet worden, die Dunkelziffer, nicht gemeldete Vorfälle, wird auf 19.000 geschätzt. Die Abteilung Sexual Assault Prevention and Response Office (SAPRO) des Verteidigungsministeriums geht davon aus, dass nur 14 Prozent der Übergriffe gemeldet werden. Die meisten Opfer sind jüngere Frauen; die Täter kommen in den meisten Fällen ebenfalls aus der Armee, häufig sind es ältere Vorgesetzte.

Von den 3.192 Fällen wurden nur 240 vor Gericht verhandelt. Sechs Prozent der gemeldeten Fälle führten zu einer Verurteilung. Die meisten Verurteilten wurden degradiert und bekamen Haftstrafen, allerdings seien Bußgelder noch häufiger. 90 Prozent der Vergehen würden von Wiederholungstätern begangen. In etwa einem Viertel der Fälle wird ein sexueller Angriff nicht gemeldet, weil der Täter ein direkter Vorgesetzter ist, der auch der Adressat für eine solche Meldung ist. Augrund des Uniform Code of Military Justice, so der Bericht, hänge es vom Kommandeur der Einheit ab, ob eine Untersuchung über den Vorfall in gang gesetzt wird, ob der Fall überhaupt weiter verfolgt wird. Laut Experten, die mit der Materie betraut sind, können die befehlshabenden Offiziere dabei auch Faktoren berücksichtigen, die mit dem Vorfalls selbst nicht direkt zu tun haben; etwa der Wert des Beschuldigten für die Einheit. Manche Vorgesetzten drohen den Soldatinnen auch damit, sie wegen Lügen vors Militärgericht zu stellen.