Der plötzliche Reichtum Afghanistans

US-Geologen entdecken "riesige Rohstoffreserven" in dem Land

Die frohe Botschaft, dass das von Armut, Arbeitslosigkeit, darnieder liegender Wirtschaft außerhalb des Opiumsanbaus und Kriegen geplagte Afghanistan zu "einem der reichsten Länder der Welt" werden könnte, verkündete der afghanische Präsident Karsai schon Anfang Februar.

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"Ich habe sehr gute Nachrichten für Afghanistan. Die ersten Zahlen, die wir bekamen, zeigen, dass unsere mineralen Bodenschätze ein Tausend Milliarden Dollar wert sind - nicht ein Tausend Millionen Dollar, sondern ein Tausend Milliarden."

Die Botschaft hatte Karsai einer Untersuchung des United States Geological Survey (USGS) entnommen (siehe Afghanistan ist reich an Bodenschätzen). Schon vor vier Monaten war auf deren Website zu lesen, das in Afghanistan beträchtliche Bodenschätze wie "Kupfer, Eisen, Gold, Silber oder Bauxit" und möglicherweise auch große Öl- und Gasressourcen mit größerer Sicherheit zu vermuten sind. Damals fand die Nachricht kaum Resonanz. Man blieb skeptisch.

Heute knistert die saudi-arabien-fuer-lithium-usa-vermuten-gigantische-rohstoffreserven-in-afghanistan/50127314.html: Nachricht von Afghanistans Bodenschätzen in allen Medien. Der Bericht der New York Times über den von den amerikanischen Geologen entdeckten Reichtum wird überall zitiert. Übermittler der frohen Botschaft ist diesmal das Pentagon, insbesondere der US-Kommandeur General David Petraeus und dessen begeisterte Einschätzung, wonach die "Vorräte an Kupfer, Lithium, Eisen, Gold und Kobalt" Afghanistan zu einem der "weltweit führenden Rohstoff-Exporteure" machen könnten. Die unterschiedliche Resonanz auf die Nachricht ist bemerkenswert.

Liegt dies daran, dass sich die im Februar lancierte Nachricht noch auf Vorabergebnisse der USGS rekurrierte und die Sache jetzt erst spruchreif wurde? Oder liegt es am Lithium, das im Februar-Bericht noch nicht erwähnt wurde? Möglich, dass sich die amerikanische Regierung darüber freut, dass Afghanistan als Lithium-Ressource der Lithium-Schatzgrube-Bolivien den Rang ablaufen könnte und man dem Sozialisten Morales, der Rohstoffe staatlicher Kontrolle unterstellt, auf diesem Weg eine Nase zeigt? Oder liegt es einfach daran, dass Afghanistan und in der Folge die USA gute Nachrichten aus Afghanistan sehr nötig haben? Zumal sich abzeichnet, dass sich aus der militärischen Erfolgsgeschichte "Mardscha" der selbe Nachrichten-Loop entwickelt, den man aus vielen anderen Beispielen kennt: die Rückkehr der Taliban.

Lithium war, bevor es für moderne Batterien und dadurch für bedeutende industrielle Interessen wichtig wurde, allgemein für seine Verwendung als Therapeutikum bei bipolaren Affektstörungen bekannt. So liegt der Gedanke nahe, dass die neue Einstufung Afghanistans als "Saudi-Arabien des Lithiums" (so wurde übrigens auch schon Bolivien betitelt) in einem "internen Pentagon-Bericht" zunächst einmal vor allem therapeutischen Wert - auf symbolischer Ebene - hat. Vielleicht hebt das die Moral; Rohstoffe liefern zumindest einfache Antworten auf die schwierigen Frage nach dem "Wozu" des Krieges. Bislang war dies für die Afghanistan-Mission des Westens nur über Um- bzw.Handelswege zu haben. Das würde sich mit dieser Nachricht nun ändern.

"Hier gibt es ein erstaunliches Potential", wird General Petraeus zitiert, zwar müsse man sich auf eine Menge schwieriger Bedingungungen und Einschränkungen - "ifs" - gefasst machen, aber "ich bin der Auffassung möglicherweise ist das enorm bedeutsam."

Bis zur konkreten Nutzung der Billion-Dollar-Ressourcen vergehen freilich noch einige Jahre, heißt es im Bericht der New York Times, es gebe zur Förderung der oft schwer zugänglich gelagerten Bodenschätze so gut wie keine Infrastruktur. Und ob das Geld auch der Bevölkerung zugute kommt, ist angesichts der Korruption in Afghanistan sehr fraglich. Mit einiger Gewissheit wird demgegenüber herausgestellt, dass sich China im afghanischen Minen-Business bereits eine gute Positionen gesichert hat.

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