Deutlicher Mitgliederschwund bei der SPD

Rund 14.000 Austritte im Jahr 2014. Liegen die Ursachen in Erfurt oder Berlin?

Die SPD hat laut einem eigenen Bericht im vergangenen Jahr knapp 14.000 Mitglieder oder 2,9 Prozent der gesamten Mitgliedschaft verloren. Dies sei der relativ höchste Verlust seit dem Jahr 2008, schreibt "Die Welt" unter Berufung auf das interne Papier über "Mitgliederentwicklung und Strukturdaten 2014". In der Analyse sei dazu nüchtern zu lesen: "Die Zahl der Eintritte war im Kalenderjahr 2014 niedriger als die Zahl der Austritte." Dabei stehen die Sozialdemokraten mit dem Problem durchaus nicht alleine. Auch die CDU, CSU, Linke und Grüne leiden seit Jahren tendenziell an Mitgliederschwund – durch Austritte oder die demografische Entwicklung.

Bei der SPD zeigt sich dabei ein gemischtes Bild. Während vor allem in Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen und Nordrhein-Westfalen weniger Genossen zu verzeichnen sind, blieb die Zahl in Berlin und Brandenburg fast gleich. Das ist für die SPD auch beachtlich, weil die Partei im Osten des Landes grundsätzlich schlechter aufgestellt ist.

Aus den Zahlen der internen Erhebung wird aber auch noch ein anderes Problem deutlich, mit dem die SPD ebenfalls nicht alleine steht: Das Durchschnittsalter der Sozialdemokraten beträgt derzeit 59 Jahre. Lediglich elf Prozent der Mitglieder sind unter 35 Jahren. Die Überalterung der Parteien dürfte perspektivisch zu einer weiteren Verkleinerung der Mitgliederbasis führen.

Strittig ist die Interpretation der jüngsten SPD-Mitgliederzahlen. Die konservative "Welt" begründet den Rückgang vor allem mit der Unterstützung des ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei, Bodo Ramelow, durch die Thüringer Sozialdemokraten. Der Autor führt zur Unterstützung der These das überdurchschnittliche Mitgliederminus von 6,2 Prozent bei der Thüringer SPD an. Was schon stimmt, jedoch kann selbst die "Welt"-Redaktion, die an der Kampagne gegen das rot-rote Bündnis in Erfurt beteiligt war, nur einen Austritt von 50 Genossen "infolge der Regierungsbildung" konstatieren. Insgesamt hat die Thüringer SPD in Laufe des vergangenen Jahres 270 Mitglieder verloren.

Was die "Welt" außen vor lässt, ist eine Debatte über das bundesweite Führungspersonal der Sozialdemokraten – und über die Folgen der Großen Koalition für die SPD. Noch im Dezember hatte eine Umfrage im Auftrag von "stern" und "RTL" ergeben, dass nur elf Prozent der Deutschen den SPD-Vizekanzler Sigmar Gabriel bei einer Direktwahl zum Regierungschef wählen würden. Und in den bundesweiten Umfragen kommen die Sozialdemokraten kaum über 25 Prozent hinaus. Wenn die Krise also alle großen Parteien betrifft, so scheint sie sich bei der SPD in einem besonderen Maße auszuwirken. Auswege aus der Misere wurden auch bei der jüngsten Klausurtagung im brandenburgischen Behnitz nicht aufgezeigt.

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