Deutsche Bahn übernehmen Sie

Öffnung des Bahnstromnetzes kann Teil des geplanten Netzausbaus obsolet machen

Im Bundestag wurde gerade der Zwischenbericht der "Machbarkeitsstudie zur Verknüpfung von Bahn- und Energieleitungsinfrastrukturen" vorgestellt. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das Bahnstromnetz für eine Mitnutzung durch das allgemeine Stromnetz geeignet ist. Dies schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort (17/10453) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (17/10290). Der Bau neuer Trassen könnte so weiter reduziert werden.

Bisher galt das Bahnnetz, u.a. aufgrund seiner abweichenden Netzfrequenz (1/3 der normalen Netzfrequenz), als nicht integrierbar. Dabei ist es mit seiner hohen Regelfähigkeit schon seit langem vorbildlich für das Stromnetz der Zukunft, das mit schwankenden Einspeisemengen umgehen muss. Bei der Bahn werden schon jetzt Bedarfsschwankungen von bis zu 300.000 kW innerhalb weniger Sekunden ausgeglichen. Zur Zeit erfolgen 90 Prozent der Streckenkilometer auf der Schiene mit elektrischem Antrieb. Die Versorgung läuft über ein eigenes 19.900 km langes Stromnetz, das den jährlichen Strombedarf von 11 Mrd. kWh. deckt.

Die Bahn betreibt eigene Kraftwerke, ist aber über Umformer auch jetzt schon mit dem allgemeinen Stromnetz verbunden. Über die Netzkuppelstellen ist die Bahn so auch am zunehmenden Anteil von EEG-Strom beteiligt, was ihr imagemäßig sehr recht ist. Denn während der eigene Kraftwerkspark noch sehr kohlelastig ist, hat sich die Bahn zum Ziel gesetzt, den Anteil von Ökostrom bis 2020 auf 35% zu erhöhen.

Seit 2010 wurden deshalb bundesweit die betriebseigenen Dach- und Freiflächen auf ihre Solartauglichkeit hin untersucht. Ergebnis: Bis zu drei Millionen m² Fläche eignen sich für die Erzeugung von Solarstrom. Vier Dachprojekte mit einer Gesamtleistung von knapp zwei MW sind in den vergangenen zwei Jahren schon ans Netz gegangen. Diese Woche hat die Deutsche Bahn AG in Wittenberge die bislang leistungsstärkste Photovoltaik-Anlage auf einer ihrer eigenen Flächen eingeweiht. Das Kraftwerk steht auf einer ehemaligen Deponie und hat eine Leistung von 3,9 Megawatt, es soll pro Jahr 10 Mio. kWh liefern.

Über ihre Tochtergesellschaft "DB Energy" versucht die Bahn sich auch als Energieversorger zu etablieren. Da kann ihr die Öffnung ihres Netzes für EEG-Strom doch gerade recht sein. Die Weiterleitung von Windstrom durch ihre Stromleitungen würde den Bau neuer Leitungen vermeiden und der Bahn helfen, ihre eigenen Ökostromziele zu erreichen. Wer weiß, vielleicht wird DB Energy auf diese Weise sogar noch zum Ökostromanbieter.

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