Deutsche Wirtschaft schrumpft wieder

Die Exporte sind durch den verordneten Sparzwang eingebrochen und der Konsum lahmt

Auch in Deutschland ist die Wirtschaftsleistung im letzten Quartal 2011 wieder geschrumpft. Im Vergleich zum Vorquartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2%, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) in Wiesbaden mit. Es handele es sich um den ersten Rückgang des BIP seit fast drei Jahren. Die Exporte hätten im "Schlussquartal 2011 einen negativen Effekt auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung" gehabt und dazu seien "die Konsumausgaben" rückläufig, erklärt Destatis die Entwicklung.

Es war allerdings nicht schwer vorherzusagen, dass es nach dem schwungvollen Start im ersten Quartal schnell zur Abkühlung kommen würde. Der Motor der europäischen Wirtschaftslokomotive stotterte schnell wieder. Die Wirtschaft begann zu stagnieren und nach dem Einbruch der Exporte schrumpft nun auch die deutsche Wirtschaft erwartungsgemäß wieder, obwohl sie im gesamten Jahr 2011 noch um 3% gewachsen ist.

Das ist das Ergebnis eines Berliner Crash-Kurses, der die wichtigsten Handelspartner in Europa zum Sparen zwingt. Fast alle großen Volkswirtschaften rutschen wie Italien und Spanien in die Rezession ab. Nur in Frankreich, wo vor den Wahlen im April mit dem Sparkurs noch nicht begonnen wurde, konnte nach der Stagnation zuvor sogar ein leichtes Wachstum im vierten Quartal verzeichnet werden. Das Statistikamt Insee gab dies mit 0,2% im Vergleich zum Vorquartal an. Man muss kein Hellseher sein, um sagen zu können, dass aus dem Plus schnell ein Minus wird. Das gilt vor allem, wenn Paris nach einem Wahlsieg von Nicolas Sarkozy richtig auf die Sparbremse tritt, um im Bund mit Angela Merkel die Schuldenbremse und den Fiskalpakt in Europa durchzusetzen.

Fatal entwickelt sich die Lage längst in den Ländern, in denen die Regierungen auf Druck aus Berlin und Brüssel schon richtig auf der Sparbremse stehen. Griechenland ist schon in die Depression abgerutscht. Die Wirtschaft in Griechenland ist im vierten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 7% eingebrochen. Eine Erholung ist nicht in Sicht. Die Wirtschaft Portugals soll nach Angaben der EU-Kommission 2012 aber noch stärker als die Griechenlands schrumpfen.

Auf diesen Kurs haben sich auch das drittgrößte Euroland Italien und das viertgrößte, Spanien, begeben. Deshalb ist inzwischen die Wirtschaftsleistung auch im gesamten Euroraum um 0,3% geschrumpft. Nicht viel besser sieht es in Großbritannien aus. Sogar die Wirtschaft in Österreich dürfte 2012 nur noch gering wachsen. Spaniens Wirtschaft ist schon im letzten Quartal 2011 um 0,3 Prozent geschrumpft, hat die nationale Statistikbehörde (INE) bisher geschätzt. Es könnte also noch schlimmer kommen. Nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) soll Italiens Wirtschaft 2012 um 2,2% und die Spaniens um 1,7% schrumpfen.

Angesichts der Tatsache, dass die neue konservative Regierung in Madrid heftig auf die Sparbremse tritt und mit starken Steuererhöhungen der Bevölkerung deutlich Kaufkraft entzieht, dürfte diese Prognose noch sehr optimistisch sein. Der abgestürzte Arbeitsmarkt - mit 5,3 Millionen Menschen sind 23% der aktiven Bevölkerung ohne Job - lässt auch steigende soziale Konflikte befürchten. Die Konservativen schicken das Land mit der diktierten Arbeitsmarktreform auf den Weg zu Generalstreiks. Zur wirtschaftlichen Genesung trägt das nicht bei. Sogar die IWF-Chefin hatte kürzlich eindringlich in Berlin davor gewarnt, den harten Sparkurs fortzusetzen, der auch Deutschland noch teuer zu stehen kommen dürfte. Christine Lagarde erklärte: "Wir sollten schnell handeln, sonst droht uns eine Weltwirtschaftskrise wie 1930."

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