Deutschland: Mehr Auswanderer als Zuwanderer

Die neuen Zahlen des statistischen Bundesamts weisen nach wie vor ein "Wanderungsdefizit" aus

Für das vergangene Jahr verzeichnet das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen etwas mehr Abwanderer aus Deutschland als Zuwanderer: 721 000 Zuwanderern stehen 734 000 Fortzüge gegenüber.

Seit dem Jahr 2007 gab es keinen "Wanderungsüberschuss" mehr, der zuvor mehr als zwei Jahrzehnte lang üblich war, seit 1985. Das "Wanderungsdefizit" von 2009 ist allerdings nicht übermäßig groß, 13 000 Personen, und gegenüber dem Vorjahreswert zurückgegangen (um 43 000).

Lag die Zuwanderung nach Deutschland Anfang des Jahrtausends noch deutlich über 800 000, so durchbricht die jüngste Zuwanderungszahl zum ersten Mal seit 2005 wieder die 700 000 Marke. Die Zuwanderer kommen vor allem aus Polen (123 000), Rumänien (56 000), den USA (30 000), der Türkei (30 000) und Bulgarien (29 000); mehr als die Hälfte der Zuzügler kommt aus EU-Ländern. Rund 16 Prozent (115 000) der Zuwanderer sind deutsch, darunter viele Rückkehrer; Spätaussiedler machen nach Angaben des Bundesamtes etwa 3000 Personen aus.

Auch bei denen, die Deutschland verlassen, ist der Anteil der Ausländer weitaus am höchsten, beinahe 80 Prozent. Er ist gegenüber 2008 sogar noch um 16 000 gewachsen, auf 579 000. Wohingegen die Zahl der Deutschen unter den Auswanderern (155 000) um 20 000 abnahm. Die größte Lust zum Auswandern zeigten laut Amt Deutsche aus dem früheren Bundesgebiet und Berlin (140 000).

Bemerkenswert ist, dass von den Statistikern dieselbe Zahl an Zuwanderen aus Polen auch für die Auswanderer nach Polen angegeben wird, nämlich 123 000. Rumänien steht auch bei den "Hauptzielländern" der Auswanderer an zweiter Stelle, mit 44 000. Danach rangiert die Türkei, die - nach diesen Angaben - einen Wanderungsüberschuß aus Deutschland empfängt: 40 000 Zuzügen von Deutschland stehen 30 000 Auszügen nach Deutschland gegenüber. Auf den Plätzen 3 und 4 der Hauptzielländer deutscher Emigranten werden die USA (36 000) und die Schweiz (30 000) geführt.

Aus den Abwanderungszahlen ließen sich aber keine Aussagen zu den Hintergründen der Fortzüge ableiten, schränkt das Statistische Bundesamt ein. In den letzten beiden Jahren lägen die Zahlen der Fortzüge um 100 000 über dem Niveau der Vorjahre und man erklärt sich dies zum Teil mit Sondereffekten. Denen liegt die bundesweite Einführung der Steuer-Identifikationsnummer für jeden Bürger zugrunde. Das habe 2008 zu umfangreichen Bereinigungen der Melderegister geführt und zu zahlreichen Abmeldungen von Amts wegen. Es könne nicht quantifiziert werden, in welchem Umfang die höheren Fortzugszahlen 2008 und 2009 auf diese Bereinigungen zurückzuführen sind.

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