Die 1000 Augen des GCHQ

Königlicher Rezeptionist in geheimer Mission

Bereits im Juni war bekannt geworden, dass der britische Abhörgeheimdienst GCHQ in Pittsburgh 2009 in der Nähe des G20-Gipfels ein Internetcafé inszenierte, um Diplomaten bei ihrer Telekommunikation zu überwachen. Wie nun durch Snowden-Dokumente bekannt wurde, scheint auch dies nur eine Variante eines umfassenden Programms zur digitalen Beschattung von Diplomaten zu sein. So warf einem Bericht des SPIEGEL zufolge das GCHQ sein allsehendes Auge auf Reservierungssysteme von weltweit mehr als 350 Hotels, die häufig von Diplomaten und Regierungsdelegationen gebucht werden. Das indiskrete Programm wurde "Royal Concierge" genannt. Die britischen Schlappmelonen werden nun (nicht) erklären müssen, inwiefern sie Diplomaten als Terroristen betrachten.

Die Vorabinformation des königlichen Rezeptionisten über den Aufenthalt interessanter Zielpersonen ermöglicht deren individuelle Überwachung, etwa des Zimmertelefons. Wie dies beim gegenwärtigen Stand der Technik auch vor Ort geschehen kann, demonstrierte letztes Jahr eine ZDF-Dokumentation, die einen Fachmann ein fremdes Hotelzimmer verwanzen ließ (Minute 29). Auch nach halbstündiger Durchsuchung entgingen den Testpersonen sogar Kameras. Professionelle Geheimdienste pflegten früher, zu verwanzende Objekte heimlich zunächst zu Planungszwecken und dann zur Installation aufzusuchen. Bei Vorabkenntnis der Räumlichkeiten dürfte heute ein kurzer Aufenthalt ausreichen.

Abgehörte gastronomische Einrichtungen sind in der Spionagewelt klassisch, etwa das legendäre Nazi-Bordell "Salon Kitty". Fritz Lang verfilmte 1960 Die 1000 Augen des Dr. Mabuse, in dem Verbrecher ein von den Nazis erbautes Spionagehotel nutzen. Das Observieren von Zielpersonen in Hotels gehört bei allen Nachrichtendiensten zum Standard.

Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit hatte seinerzeit "Interhotels" sogar vorab entsprechend ausgestattet. So waren die Zimmer mit den Nummern 1022, 2014 und 2015 des damaligen Hotel Merkur in Leipzig für die Abhörer des MfS reserviert, das von hier aus die Gäste Leipziger Messe beobachtete und auch horizontal ermitteln ließ. Gäste in Zimmer 6124 wurden sogar gefilmt. Auch das Hotel Neptun in Warnemünde, wo Uwe Barschel häufig gastierte, gilt vielen als ein Honeypot des MfS. Das damalige Hotel Metropol Berlin in der Friedrichstraße dürfte ähnlichen Service geboten haben.

Der Skandal um die Verwanzung des Watergate-Hotels von 1972 führte zum Rücktritt des US-Präsidenten Nixon. Heutigen Staatschefs scheint das Abhören ihrer Mitmenschen nicht mehr peinlich zu sein.