Die Angst der Werte

Bisher gab es fast nur eine Richtung bei IT Bewertungen. Die nach steil oben. Meistens jedenfalls. Jetzt denkt man sich "oha, es geht auch anders", wenn man Tumblr und andere anschaut.

Sicher, es gab da mal einen Crach auf dem Neuen Markt Anfang des Jahrtausends, aber zumindest gefühlt ist es doch so: Es kann immer nur aufwärts mit den Werten gehen, wenn es sich dabei um eine IT/Internet Firma handelt. Ist natürlich nicht so, fühlt sich aber so an. Zumindest hat man selten einen extrem tiefen Fall gesehen. Aber da muss man in Zukunft ein wenig nachdenken. Denn plötzlich ist der freie Fall auch durchaus eine der möglichen Grundübungen von ehemaligen Computerstars – auf dem Finanzmarkt.

Da wäre zum Beispiel dieser lustige Fall, dass VMware eine Firma mit dem Namen Pivotal stützt und jetzt kaufen will, die in einem Jahr mal eben 66 Prozent des Wertes verloren hat. Gut, das hat dann nach dem finalen Kaufangebot durch eben VMware ein wenig angezogen, aber das Unternehmen lottert schon ziemlich vor sich hin, wenn man die Aktienkurse vor allem im IT Sektor seit 2018 anschaut.

Nicht überzeugt? Dann gibt es den Fall von Tumblr, was ich jetzt bitte doppeldeutig zu lesen bitte. Das ehemalige Wunderkind wurde einst für 1.1 Milliarden übernommen und kann jetzt von Automattic für schlappe 3.3 Millionen USD erstanden werden. Das ist in etwa so, als würde man eine teure Limosine für den Preis einen Neu-EScooters kaufen. Wenn man geraden einmal 0.3 Prozent seines Erstpreises erzielt, dann würde ich das in etwa einen so guten Deal nennen wie die Versuch, unserer Kneipe nebenan einen Mchelinstern für seine Currywurstplatte zu verpassen.

War nix.

Vielleicht, so könnte es einem dämmern, sind die einen oder anderen IT Überflieger ein wenig zu hoch geflogen und landen jetzt da, wo sie ihre Wertschöpfung wirklich ansiedeln. Bei fast Null. Wenn das Schule macht, kann man vermutlich Microsoft bald für ein paar Tumblrs übernehmen oder Google mit Komplettpreis auf der Packung von Cornglakes finden. Übertrieben gesagt. Ich mag mich ja auch ein wenig weit herauslehnen, aber es kann doch kein Zufall sein, dass Amazon gerade mit der Meldung herauskommt, dass die hauseigene Facerecognition jetzt auch Angst erkennen kann. Vermutlich die von Steve Bezos, der sich nun fluchend sagt, dass er die Scheidung eh schon kaum bezahlen kann und jetzt vielleicht noch die hauseigenen Aktienkurse so in den Keller rauschen, dass die Exfrau der Einfachheit halber einfach dieganze Firma mitnimmt. Und Steve Bezos ein billig erstandenes Tumblr mitgibt, damit er sich zum Trost noch ein Bier an irgendeiner Eckkneipe in Seattle kaufen kann.