Die Daten von reuigen Filesharern..

und ein Geschäftsmodell mit einigen Fragen: Eine Webseite bietet sich als Adressat für Entschädigungszahlungen an Künstlern bei Urheberrechtsverletzungen an. Bei Zahlung von einem Euro pro Musikstück würden die juristischen Angelegenheiten geregelt.

An das schlechte Gewissen von Filesharern will eine Webseite appellieren, die sich lautmalerisch an einen großen österreichischen Komponisten hängt: MooZar sieht sich ganz auf der Seite der Künstler. Es will denjenigen, die angesichts der leer ausgehenden Künstler so etwas wie Reue über das nicht-lizenzierte Kopieren von Musikstücken empfinden, eine Chance geben: Ende Februar kann man sich auf der MooZar-Site anmelden, dort Geld einbezahlen und sich somit von den Sünden reinwaschen. Ab dem Beitrag von einem Euro pro Musikstück, so versprechen die Betreiber, sind die juristischen Angelegenheiten "geregelt", der Filesharer habe dann keine Anklagen wegen Urheberrechtsverstöße mehr zu fürchten.

60 Prozent der französischen Filesharer und 49 Prozent der amerikanischen würden solche Entschädigungen für Künstler befürworten, lautet das Hauptargument der MooZar-Betreiber. Ihre Zahlen haben sie aus Umfragen namhafter Institute, IFOP und Zogby, - teilweise etwas aufgehübscht präsentiert, wie französische Skeptiker entgegenhalten. So würden die Betreiber die Zahlen der Filesharer, die sich für das Modell "MooZar" interessieren könnten, sehr locker hochrechnen ebenso die Zahlen der illegalen Downloads, die Hälfte der Befragten besäße nach eigenen Angaben weniger als ein Dutzend.

Hinter dem Angebot der 1 Euro-Reinwaschung von Urheberrechtssünden steht ein Geschäftsmodell: Die Seite will 20 Prozent der überwiesenen Entschädigungen, die an die Künstler gehen, als Kommission.

Die Betreiber hätten viel Geld in sehr teure Werbekampagnen gesteckt, berichtet TorrentFreak, um ihr Geschäftsmodell bekannt zu machen. Offensichtlich verspricht sich MooZar viel. Doch wie soll das funktionieren, wenn sich User für einen Euro ohnehin auf anderen Seiten musikalisch bedienen können? Für wen ist das auf Seiten der Anbieter interessant?

Für die Filesharer gilt zudem: Die Zahlung von weniger Geld als einem Euro - so macht MooZar ausdrücklich aufmerksam - gewährt keinen Schutz vor eventuellen juristischen Folgen des Filesharings. Die Frage nach den Uploads, die bei juristischen Auseinandersetzzungen mit Filesharing eine wichtige Rolle spielt, bleibt völlig ungeklärt, wie der TorrentFreak-Bericht anmerkt.

Bei so viel Unklaren bleibt nur die Spekulation, etwa darüber, dass die Daten, welche die "reuigen Filesharer" bei MooZar uploaden, von Interesse sein könnten. Ein Verdacht, der in den Foren zu den entsprechenden Berichten, hin und wieder geäußert wird. So ganz aus der Luft gegriffen scheint er nicht. Wie die franzöische Webseite rue89 berichtet, hat David Brami, ein MooZar-Gründer, schon einmal ein ähnliches Projekt vorgestellt, im Jahre 2006. Damals versuchte er demnach die Rechteverwalter der Künstler, so z.B. die "französische Gema" SACEM, mit dem Hinweis zu locken, dass er im Besitz einer Liste von Personen sei, die Urheberrechtsverstöße begangen haben.