Die Europäer sind am wenigsten glücklich

Nach einer Ipsos-Umfrage in 24 Ländern ist Lateinamerika der glücklichste Kontinent, die Ungarn sind am unglücklichsten

Man würde ja meinen, dass in Ländern wie Mexiko, in dem der Krieg gegen die Drogen herrscht, jedes Jahr Tausende von Menschen getötet werden und die Kluft zwischen den Reichen und Armen sich aufspreizt, die Stimmung eher gedrückt ist. Aber weit gefehlt, zumindest nach einer Umfrage von Ipsos in 24 Ländern. Hierfür wurden im November 2011 in jedem Land 1000 bzw. 500 16-64-jährige Menschen gefragt, ob sie, alles in allem gesehen, sich als sehr, ziemlich, eher, nicht sehr oder gar nicht glücklich bzw. zufrieden (happy) bezeichnen würden. In Mexiko sagen 43 Prozent, sie seien sehr glücklich, ebenso viele wie in Indien. Nur in Indonesien sind mit 51 Prozent noch mehr Menschen sehr zufrieden.

In allen 24 Ländern bezeichnen sich 22 Prozent als sehr und 77 Prozent als glücklich. Als gar nicht glücklich sehen sich nur 4 Prozent. Nach Ipsos sei die Zahl derjenigen, die sich als glücklich bezeichnen, ziemlich stabil über die Zeit, die größten Schwankungen gebe es bei der Zahl der sehr glücklichen Menschen. Gegenüber 2007, als die Frage schon einmal gestellt wurde, sind die Menschen "glücklicher" geworden, damals sagten 20 Prozent, sie seien sehr glücklich.

Überhaupt scheint Lateinamerika der Kontinent mit den zufriedensten Menschen zu sein (32%). An zweiter Stelle kommt Nordamerika (27%), dann Asien und Afrika mit jeweils 24 Prozent. Die Europäer sind hingegen müde und vielleicht nostalgisch, nur 15 bezeichnen sich hier als sehr glücklich. Das hat natürlich auch mit den aktuellen Krisen zu tun, aber wahrscheinlich auch damit, dass Europa überaltert ist und seine große Zeit und damit auch die Zukunft vorbei ist. Bei den Ungarn ist die Unzufriedenheit am stärksten ausgeprägt. Nur 6 Prozent sind hier sehr glücklich und 18 Prozent, weit mehr als in allen anderen Ländern, bezeichnen sich als überhaupt nicht glücklich. Sollte die Umfrage die Stimmung der Menschen wirklich treffen, dann ist Ungarn in einer hochbrisanten Situation.

An vorletzter Stelle steht zwar auch Südkorea (7%) als Außenseiterland im europäischen Trübsalbund. In Russland drücken vielleicht die Lage und Putin auf die Stimmung (8%). In Spanien (11%) und Italien (13%) dürfte man Schlimmeres auf sich zukommen sehen. In Deutschland sind nur 16 Prozent "sehr glücklich" (ebenso viele wie in Japan, wo trotz Tsunami-Katastrophe die Stimmung besser als 2007 ist). In Griechenland wurde nicht gefragt, das glücklichste europäische Land scheint Großbritannien zu sein, dort sind 21 Prozent sehr glücklich.

Blendend scheint es den Brasilianern und den Türken mit jeweils 30 Prozent "Sehr Glücklichen" zu gehen, aber auch die Australier und US-Amerikaner (je 28%) und die Kanadier (27%) liegen deutlich über dem Durchschnitt.

Das Geschlecht scheint beim Glücklichsein keine Rolle zu spielen, das Alter aber schon. Die Menschen unter 35 Jahren sind die glücklicheren, dann geht es mit der Zufriedenheit herunter. Glücklicher sind auch diejenigen, die verheiratet sind. Natürlich ist das Haushaltseinkommen wichtig. Je größer das Einkommen, desto mehr bezeichnen sich als sehr glücklich. Und wer die beste Ausbildung hat, ist auch öfter sehr glücklich als diejenigen mit niedriger Ausbildung. Die Ausbildungsmittelschicht hängt aber durch.